Weltrekord Versuche 2015 in Ballenstedt

Alternative Überschrift: Riders on the Storm!

Tja, der Sommer in Deutschland ist 2015 schon sehr eigenartig. Die Woche vor den WRV hatte es Temperaturen an die 40 Grad im Schatten, aber am langen Wochenende (FR/SA/SO) der Veranstaltung zog ein heftiger Sturm über das Fluggelände. Beginnen wir der Reihe nach….

Als Contest Director der Veranstaltung bin ich Donnerstagnacht in Ballenstedt auf dem Flugplatz angekommen und konnte sogleich die Heli Piloten Miles Dunkel und Frank Strupp begrüßen. Diese erste Nacht war noch sehr angenehm und stressfrei. Am nächsten Tag haben wir dann ab 8:30 angefangen aufzubauen. Da wir mitten auf der Rasenfläche des Flugplatzes unser Lager hatten ist Null Infrastruktur vorhanden. Also haben wir das Sicherheitsnetz, Absperrungen, die HighSpeed WRV Messanlage, und Zelte bzw. Vorzelte der Wohnwagen aufgebaut. Nun waren auch fast alle WR Piloten anwesend, so dass gegen 12:30 Uhr ein erstes Pilots Briefing abgehalten werden konnte. Dieses Jahr standen etliche Rekordklassen auf der Agenda: Neben den bekannten Flächenklassen #175 / #196 und der Heli Klasse #203 auch Heli Dauerflug, Solar Dauerflug, Solar Speedflug und Solar Streckenflug. Daneben waren auch internationale Piloten angereist, um den Italienischen und den United Kingdom Speedrekord zu brechen.

Die Wettervorhersage war nicht optimal. Freitagnachmittag leichter Wind aus östlichen Richtungen, aber etwas schwül. Für den Samtag war schwerer Sturm angesagt und Sonntagvormittag noch Wind, aber besseres Wetter. Wettbewerbsende sollte Sonntag gegen 13Uhr sein. Somit blieb realistisch für Rekordflüge nur der Freitagnachmittag und der Sonntagvormittag/Mittag. Nicht viel Zeit, um sich an die lange WR Strecke zu gewöhnen (300m) und das Material optimal abzustimmen.

Gegen 14:30Uhr am Freitag war es dann soweit, und der UK National Rekord #175 gebrochen. Tom Stallan konnte mit der Chimera 426,79Km/h erreichen. Bei seinem ersten Einsatz in der Strecke keine schlechte Leistung. Wie ich hörte wird für die kommende Saison aufgerüstet.

WRV2015_UK-RecordKurz danach wurde der Heli Speedrekord mit 282,65Km/h von Miles Dunkel geknackt. Der erste Heli Streckendurchflug über 300Km/h von einer Seite war zu verzeichnen, und das auf der 300m WR Strecke.

WRV2015_Heli-RecordGegen 16:45 war dann der zweite National Record #175 gebrochen. Team Italia konnte 376,76Km/h erzielen. O.K., der Rekord stand vorher bei 0,00Km/h. Aber Gery hat sich von Flug zu Flug gesteigert. Seinen Speedbird DP hat er eigens für diese Veranstaltung entworfen und 3 Modelle komplett selbst gebaut. Die Speed Szene in Italien ist nach seinen Aussagen sehr klein bzw. nicht vorhanden. 2500Km Anreise sind auch eine Hausnummer, Respekt!

WRV2015_IT-RecordDie anderen Piloten brachten am Freitag keine Speeds in Rekordnähe zustande. Es fehlten schlichtweg 20-30Km/h. Diese „Wetterfühligkeit“ der Setups hat u.a. mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu tun. Dazu später mehr. Ach ja, einen Rekord gab es am Freitag noch zu vermelden: Solar Streckenflug mit 1140m. Holger Lambertus konnte diese Leistung bei widrigen Bedingungen erfliegen. Die Solarflieger erhalten die Motorenergie aus ungepufferten Solarzellen, so dass Wolken vor der Sonne eher hinderlich sind. Die Leistung bricht massiv ein, sobald die Sonneneinstrahlung gedämpft ankommt. Leider habe ich kein Bild vom Piloten, sondern nur vom Modell.

WRV2015_SolarDie Solarzellen stammen aus der Produktion, die auch für die manntragende Solar Impulse verwendet werden. Vielleicht nicht die gleiche Sortierung, aber doch sehr gute Zellen. Holger hat in einem RC Network Thread ausführlich berichtet.

Der Samstag war dann aus Speedersicht leider ein Totalausfall. Die Sturmfront zog genau über den Flugplatz. Stellenweise hatten wir Böen von über 40kn aus westlichen Richtungen. Es gab nur kurze Zeitfenster, an denen überhaupt Flugbetrieb stattfinden konnte. Einzig Christian Schalk zeigte „cojones muy grandes“ und flog als einziger an diesem Tage seine Speeder. Am Tag zuvor noch Abschluss Party in der Schule und dann am Samstag bei Sturm Speeder fliegen, und den Rekord von Niklas Kahlich aus 2013 angreifen. Den Trainingsflug absolvierte er noch mit seinem ECO Modell, danach mit seinem WR Modell, einem Fluxkompensator. Zumindest Flugzeit und Training konnte er bekommen, Rekordnahe Geschwindigkeiten waren nicht drin bei dem Wetter. Gegen Abend und in der Nacht wurde es mit dem Wind immer schlimmer. Fast alle 8 Pylonen der Messanlage sind abgeknickt, Plastikstühle hat es einfach weggeblasen. Und die Vorzelte der Wohnwagen wurden mit allem gesichert, was vorhanden war. Einziger Vorteil des Sturms: Der Grill am Abend ist in Rekordzeit durchgeglüht!

Es war durch die Wettervorhersage im Internet bekannt, dass die Bedingungen am Sonntag immer besser werden sollten. Daher beschlossen wir in Absprache mit dem Tower des Flugplatzes in Ballenstedt die Veranstaltung erst um 13:30Uhr enden zu lassen. Gegen 10Uhr am Sonntag wurde das letzte Briefing abgehalten. Am Vormittag herrschte noch reger Wind und Luftfeuchtigkeit zwischen 50% und 60% vor. Und wieder das gleiche Bild…es fehlten 20-30Km/h an Speed. Gegen Mittag stiegen die Temperaturen, der Wind flachte ab und die Luftfeuchtigkeit sank in Richtung 30%. Auf einmal wurden die Geschwindigkeiten immer schneller.

Christian Hidde hatte ein brachiales Setup in seinem Typhoon eingebaut. Dieses erlaubt nur 2 Durchflüge, bis die Lipo Zellen nachgaben. Das bedeutet schon im ersten Anflug auf 500-600m Höhe zu steigen und dann keinen Fehler zu machen. Nur eine Fehlmessung, und der Run war ruiniert. 2x war er sehr nah an den 477Km/h von Niklas Kahlich dran. Leider hatte er Freitag und Sonntagvormittag die Akkus zu sehr gefordert, so dass nun die letzten Prozent Leistung fehlten.

Das CrocoBlade Team kämpfte um beide Klassen. Am Sonntag wurde ein Flug nach dem anderen absolviert und anschließend die Logs analysiert.

WRV2015_Croco_01Christian Erdt hatte viel Pech und verlor A und B Modell. Im Rennen um #175 waren nun noch Fabian Wunderlich und Christian Schalk (mit Fluxkompensator). Max griff nach dem Rekord der Klasse #196. Dies war sein erster Einsatz mit einem Großspeeder, sonst ist er als Pilot des „Shorty“ bekannt. Diesen 80cm Speeder bewegt er durchaus mit 350Km/h durch die Strecke. Da ist ein 4Kg Großspeeder eher Entspannung, was den Puls nicht zu sehr in die Höhe treiben sollte.

Gegen 13:10Uhr flog Max mit der CrocoBlade neuen Rekord in der Klasse #196 mit 474,95Km/h. Mit einer Dreiblatt Luftschraube und sehr niedrig drehendem Motor war der Flieger fast nicht zu hören. Somit war mein eigener Rekord aus 2014 Geschichte. Bei der Leistungssteigerung war das aber zu erwarten. Der Showdown ging weiter: Um 13:20Uhr erreichte Fabian Wunderlich 481,56Km/h in der Klasse #175. Der alte Rekord von Niklas Kahlich aus 2013 war damit auch gebrochen. Christian Schalk setzte um 13:25Uhr zu seinem letzten Flug mit dem Flux an und erreichte dort ca. 483Km/h. Leider war der Ausflug bei seiner letzten Strecke deutlich außerhalb des 20m breiten Korridors der Messanlage, so dass dieser Flug nicht gewertet wurde.

Gegen 13:30Uhr verstummten die Motoren, und die Veranstaltung wurde beendet. Alle Flächen und Heli Speed Rekorde wurden gebrochen! Eine tolle Leistung der Piloten. Wir hatten nicht einen Sicherheitsverstoß und alles lief sehr gesittet und geordnet ab. Beim Abbau der kompletten Infrastruktur halfen alle Piloten und Unterstützer, so dass wir hier in Rekordzeit fertig wurden. Gegen 17 Uhr, nach einem leckeren Pflaumenkuchen mit Kaffee im „Fliegerhorst“ des VLP Ballenstedt, traten wir den Rückweg an. Die 3 Tage waren intensiv und stressig, aber ich glaube es hat sich gelohnt….

Let the Air burn!

Externe Quellen:

RC Network Thread

FAI Rekordliste Webseite => #175 / #196 / #203 / #188

Speedcup in Spelle (2014)

Der Speedcup in Spelle sollte ein lockerer Saisonabschluss für mich werden. Dazu kam es nicht, später mehr.

Pünktlich zum Start des Speedcups am Freitag Morgen hatte der Wettergott ein Einsehen und schickte super Wetter für das ganze Wochenende. Wir hatten einen kurzen Schauer am Samstag, sonst super Bedingungen.

Spelle2014_Aufbau01Ich hatte die Messanlage in Ballenstedt eingepackt, weil Christian Erdt an dem Termin nicht kommen konnte. Logistisch ist da einige Vorbereitung zu treffen, denn mein T4 war bis unter die Decke voll mit Equipment, schließlich mussten Zelt, Speeder und Zubehör auch noch mit.

Es waren einige Piloten aus der Elektro und Verbrenner Fraktion gekommen, leider weniger Teilnehmer als letztes Jahr. Die Limited Wertung war noch offen und einige Teilnehmer hatten Ambitionen angemeldet die 412Km/h von Markus zu übertreffen.

Mein Plan für das lange Wochenende waren ein paar entspannte Flüge und Tests mit einem simulierten Limited Setup. Simuliert deshalb, weil ich mit zu schweren 3500er 10s unterwegs war. Ziel war zu schauen, was an Speed geht, ohne die Akkus beim ersten Flug zu grillen. Mein normales Setup ist 10s 5000er Lipos und auch dort werden die Akkus nach dem 4ten Durchflug schon sehr warm. Der Freitag war für mich etwas stressig, weil wir zuerst die komplette Messanlage aufbauen mussten. Diesmal ohne die Hilfe des „Kernteams“, denn auch Andreas war nicht dabei. Die Anlage für die Speedcups ist zwar einfacher als die Weltrekord (WR) Version von Ballenstedt (mit den Highspeed Kameras), aber immer noch komplex genug. Die Anlage stand am Rand eines Maisfeld und die Kameras schauten knapp über den Bewuchs. Es war nicht ganz trivial, die ganzen drehenden Windräder aus dem Sichtfeld der Kameras zu entfernen. Schlussendlich hat es gut geklappt und wir hatten 3 Tage verlässliche Messungen.

Detlef und der Speller Verein haben sich in Sachen Verköstigung voll reingehängt: Frühstück satt und Mittags/Abends wurde gegrillt. Am Samstag Abend gab es lecker Backschinken mit allem Zubehör. Mein Diätplan hat gelitten, so lecker war es. Samstag Nacht haben wir das Lagerfeuer angeschmissen und bis spät in die Nacht durchgehalten. Sonntag Morgen sah ich einige Gesichter, die nicht ganz fit waren. Die Holländer haben wieder gewonnen! Mehr sage ich nicht… :-)

Spelle2014_LagerfeuerDas FireBlade Team war fast vollständig angetreten und es gab auch Flüge mit der neuen FireBlade XL zu sehen. Alex hat fleissig gebaut und auch geflogen, leider immer nur Messungen von einer Seite, so dass ein vorderer Platz in Limited nicht zu machen war. Mario und Jochen waren ebenfalls im Rennen, aber bei Erstflügen sind halt keine Top Speeds drin, weil die Feinjustierung fehlt. Am Ende konnte niemand Markus seine 412Km/h von Siegendorf überbieten, so dass er P1 in der Jahrewertung 2014 behält.

Meine fliegerische Aktivität war um kurz nach 11Uhr am Samstag beendet. Letztes Jahr habe ich in Spelle meinen Flux einem Springbaum geopfert (beim Landeanflug). Diesmal musste mein WR Modell von Ballenstedt, der Typhoon XS, dran glauben. Ich war mit dem Light Setup und der 10.3×17 unterwegs, die guten MyLipo Akkus an Board. Der erste Durchflug war noch O.K., da fliege ich nie so hoch an, um Zeit zu sparen. Der nächste Anflug war weit und hoch, und dabei ist es passiert. Die obere Wende war nicht sauber, ich musste im senkrechten Sturzflug die Richtung korrigieren. Da ich mir in Ballenstedt auf den WR Versuchen einen weiträumigen Flugstil antrainiert habe war ich über dem Wald im Sturzflug. Die 3/10s Richtungskorrektur senkrecht haben gelangt, dass ich zu tief über die Baumwipfel gekommen bin. Mit einem lauten Knall beendete der Typhoon XS sein Leben! Ich und Markus haben dann noch was aus dem Wald fliegen sehen, konnten die Richtung aber nicht genau bestimmen. Es gibt ein Handyvideo von der Aktion. Ich werde das später hier reinstellen. Man sieht nicht viel, aber der Sound ist krass. Die anschließende Bergungsaktion brachte wenige Teile des Typhoons ans Licht. Danke für die Unterstützung Jungs! Nachfolgende Kleinteile haben wir gefunden, der Rest war außer Reichweite…

Spelle2014_TyphoonXSCrashDie Fläche des Typhoon XS lag in 12m Höhe auf einer Kiefer und vom Rumpf fehlte jede Spur. Mittlerweile erreichte mich von Detlef die Information, dass er den Rumpf lockere 300m von der Einschlagstelle gefunden hat. Er lag im Mais, ungefähr auf Höhe des Einflugtors. Ohne Fläche hat das Ding immer noch 2,5Kg und ist knapp 400Km/h schnell… das fliegt schon ein gutes Stück. Mein Flugvergnügen mit dem Typhoon XS währte leider nur kurz. Ich blicke zurück auf eine gute Saison 2014 mit dem Überschreiten der 400Km/h Grenze, einem 4ten Platz auf der DM und einem Weltrekord #196 Comb in Ballenstedt (446,96Km/h). Ich hatte noch keinen Speeder, der so gut geflogen ist! Die Reste des Typhoon XS werden einen ehrenvollen Platz in meiner Werkstatt bekommen. Nächste Saison lasse ich es ruhiger angehen und werde mit meinem eigenen Modell (F5D Größe), dem Demon Speed, an den Start gehen. Mir ist klar, dass man damit nichts reißen kann, aber Spaß werde ich trotzdem haben. Und die Form zu dem Flieger habe ich im Keller, also ist die Ersatzteilversorgung gesichert.

Für 2015 würde ich mir wünschen, dass Spelle mehr Teilnehmer anzieht. Der Speedcup ist super geeignet Speeder Luft zu schnuppern. Lockerer kann ein Treffen nicht sein, dazu ein super Platz mit perfekter Infrastruktur. Ohne Wettbewerbs Stress kann man auch einem Einsteiger in F3 Speed in Ruhe alles erklären und Flüge in der Strecke abspulen. Der Speller Verein hat mehr Teilnehmer verdient! Wir müssen da viel mehr in den Medien/Foren trommeln und Teilnehmer motivieren. Leider habe ich diesmal meine Kamera vergessen, so dass ich nur wenige Bilder mit dem Smartphone gemacht habe. Für einen kleinen Eindruck sollte es langen.

Externe Links und Quellen:

RC Network Thread – Speedcup Spelle

Termin bei Speedscene e.V.

Weltrekord Versuche 2014 in Ballenstedt

Letztes Jahr war ich in Ballenstedt nur als Contest Director dabei. Dieses Jahr wollte ich angreifen, und mir den Rekord #196 vornehmen. Dieser wird derzeit von Dr. Marcus Koch gehalten und ist mit 419,90Km/h mit meinem derzeitigen Setup machbar. Auf der DM 2014 in Tussenhausen konnte ich beweisen, dass gute 450-460Km/h unter optimalen Bedingungen realisierbar sind.

Hinweis: Es gibt unterschiedliche FAI Weltrekorde. #175 hält derzeit Niklas Kahlich mit 477,30Km/h. Die Klasse #196 fordert 2 unterschiedliche Stromquellen am Antrieb, daher der Name „Comb“ (wahrscheinlich von „Combined Sources“). Infos zum Reglement gibt es hier bei SpeedScene.eu.

Im Vorfeld der WR Versuche gab es einige Verwirrungen, was Realisierung und Finanzierung anging. Die Veranstaltung stand kurz auf der Kippe. Im Vorfeld hatten nur 2-3 Piloten Ambitionen angemeldet, und das in der Klasse #175. Bei so wenigen Teilnehmern, und keiner Meldung auf den Rekord #196, machte ich mir Hoffnungen auf einen „Free Shot“ ohne Konkurrenz. Dazu kam es nicht, denn schlussendlich machten noch 3 weitere Piloten jagt auf den alten Rekord aus 2013. Dr. Marcus Koch wollte seinen Rekord verteidigen, Christian Schalk greift in seiner ersten Speeder Saison nach der Krone und Christian Erdt hat auch ein mächtiges Wort mitzureden. Mit Trainingspiloten waren 19 Teilnehmer gemeldet, was die Veranstaltung zu stattlicher Größe anwachsen ließ.

WR_Strecke_Mitte

Blick in die 300m WR Strecke. Standort ist genau in der Mitte.

Taktik und Überlegungen. Im Vorfeld einer solchen Veranstaltung muss man sich Gedanken machen, was persönliche, realistische Ziele sind. Mir ist eines klar: Alle meine Konkurrenten können mit ihren Setups schneller fliegen als ich, das wurde auf der DM 2014 ersichtlich. Fällt eine 485Km/h, wie in Tussenhausen auf der DM, ist mein Traum vom Rekord #196 geplatzt. Auch mit viel Kreativität hätte ich mein 10s Setup mit Powercroco 4234 und 10.4×20 Prop nicht so hinbiegen können, dass ich in diese Regionen vorstoße. Mein Ziel war daher deutlich niedriger gesteckt: Den Rekord #196 von 419,90Km/h auf der 300m FAI Strecke zu überbieten. Mehr nicht! Dieses Ziel habe ich selber in der Hand, da kann die Konkurrenz machen was sie will. Wer am Ende die Nase vorne hat ist zweitrangig. Aber abgerechnet wird immer am Ende, es kann viel passieren auf so einer Veranstaltung. Kurzer Einwurf zum Thema „Konkurrenz“: Das Wort ist kürzer zu Schreiben als die Namen von Christian Schalk, Dr. Marcus Koch und Christian Erdt. Als Speeder hilft und respektiert man sich gegenseitig. Jeder würde dem anderen mit Material und Hilfe beistehen, wenn das nötig ist. Wir sind ein kleiner aber eingeschworener Haufen…

Ich bin gegen 16:30Uhr am Freitag in Ballenstedt eingelaufen. Die Kollegen waren schneller als ich und der Platz sah mit Sicherheitszaun und entsprechenden Absperrungen schon sehr gut aus. Es wurde eilig die WR Messanlage mit den High-Speed Kameras (1000 Bilder/Sekunde) und Glasfaser Netzwerk aufgebaut. Christian und Team haben hier wieder volle Arbeit geleistet. Danke! Ziel war eventuell schon erste Trainings- oder Wertungsflüge am Abend zu starten. Die Wetterprognose war für das Wochenende sehr wechselhaft gemeldet. Als knapp vor 19Uhr alles fertig war setzte Regen ein und der Tag war somit aus Wettkampfsicht beendet. Immer mehr Teilnehmer trudelten im Laufe des Abends ein. Der Samstag begrüßte uns mit etwas Sonnenschein und einem freundlichen Wolkenbild. Ein Großteil der Speederei liegt in einer guten Vorbereitung, die Flüge sind ja mit 60-75s sehr kurz. Akkus alle geladen? 90min Akkus heizen auf 43 Grad, Empfängerakku checken, Propeller richten und montieren, benötigte Werkzeuge bereitlegen. Wie viele Flüge das Wetter zulassen würde war im Vorfeld nicht ersichtlich. Bei den WR Versuchen ist die Strecke 100m länger, als auf der Deutschen Meisterschaft. Hier wird gefordert, dass der Speeder 100m VOR dem Einflug in die Strecke in der Horizontalen ist (min. 5m, max. 35m). Dies wird durch Höhen Judges überprüft, welche Rückmeldung an die Messanlagen Crew liefern. Meinen ersten Flug startete ich mit dem „Light“ Setup (Prop 10.3×17) und den schlappen 10s SLS 5000er, die ich mir bei der DM in Tussenhausen abgekocht hatte. Zu meiner Überraschung war dieser Flug mit einer gewerteten 428Km/h schneller als der alte Weltrekord und somit mein Ziel für das Wochenende erreicht. Es war mir dabei auch egal, dass es Probleme mit den High-Speed Kameras gab, so dass dieser Flug nie zu einem Weltrekord hätte werden können. Ohne Dokumentation gibt es keinen Rekord! Ich war happy und die Anspannung gewichen. Gegen kurz vor 17Uhr am Samstag fliegt Christian Erdt mit 433Km/h einen neuen Rekord. Mein sportlicher Ehrgeiz wird geweckt und ich rüste mein Setup auf die 10.4×20 um. Die 433 im Mittel sind mit der 10.3×17 fast nicht zu schaffen, denn die Flugbedingungen sind suboptimal. Gegen 18:30 am Abend packe ich meine besten Akkus (MyLipo.de 10s 5000er) in den Speeder und frage Christian Erdt, ob er mich als Caller unterstützt. Christian hat das so gut gemacht, dass ich mit 445Km/h seinen 90min alten Rekord überbieten konnte. Er hätte mich auch völlig an der Strecke vorbei dirigieren können, schließlich hatte ich nur einen echten Versuch Links und Rechts, dann waren die Akkus leer. Hat er aber nicht gemacht, das ist besagter Team Spirit in F3 Speed! Klar war er hinterher etwas betrübt, das gehört bei so viel Einsatz dazu. Seine Stimmung besserte sich erst, als mein Typhoon XS auf einem Durchflug nicht in den Highspeed Kameras zu sehen war. Damit war klar, dass Christian den Rekord am 30.08.2014 geknackt hat. Was ich nicht wusste: Rekorde werden pro Datum vergeben, nicht pro Veranstaltung. Wieder was gelernt…

Alex_FirebladeXL

Alex mit seiner Eigenentwicklung: FireBlade XL – eine Seite mit 470Km/h

Am Sonntag sollte es dann zum Showdown kommen. Wir hatten im Vorfeld beschlossen die Weltrekordversuche gegen 14:30Uhr zu beenden, da einige Teilnehmer lange Fahrtstrecken vor sich hatten und das Wetter gegen Abend immer schlechter werden sollte. Christian Erdt konzentrierte sich auf den Rekord #175, war also mit seinem Ergebnis von Samstag zufrieden. Weiterhin im Rennen: Der Titelverteidiger Dr. Marcus Koch und Christian Schalk, der vom Altmeister Erwin Schamburger gecoached wurde. Beide hatten Ambitionen auf die Rekorde #175 und #196, somit eine Doppelbelastung. Gegen kurz nach 11Uhr machte ich mit Niklas Kahlich als Caller einen Versuch mit den frischen Mylipo 10s 5000er Zellen und dem bewährten 10.4×20 Prop. Im ersten Steiger fliege ich nicht sehr hoch, weil hier der Speeder eh noch nicht voll Ausbeschleunigen kann. Mein Setup kann auf der WR Strecke 3 Durchflüge im gesunden Bereich absolvieren, 4 Strecken werden für den Akku schon nicht mehr lustig. Daher ist ein sauberer Flugstil wichtig! Beim nächsten Abschwung hat sich der Typhoon XS von der Geschwindigkeit her schon aufgeschaukelt und durch das Megafon wird eine 428Km/h angesagt. Damit bin ich nah am Rekord von Christian Erdt dran, der bei 433 liegt. Der letzte Durchflug ist jetzt mit dem Wind, und hier muss ich unbedingt treffen, denn für weitere Flüge langt die Kapazität im Akku nicht. Aus 400-500m Anflughöhe stelle ich den Typhoon auf den Kopf und peile die Strecke an. Niklas gibt hilfreiche Anweisungen, damit der 300m Durchflug auch gerade gelingt. Der Speeder ist schnell, es sind wenige Korrekturen nötig. 461Km/h ertönt aus dem Megafon. That´s it … neuer Rekord! Jetzt gilt es sauber zu landen, denn der Speeder darf keine Teile bei der Landung verlieren, sonst ist der Flug ungültig. Anschließend erfolgt die Abnahme. Unter Aufsicht des Wettbewerbsleiters wird das Modell gewogen (75g/dm² Regel), und die Spannungen der Akkus kontrolliert. Wichtig ist auch, dass beide Stromquellen angeschlossen sind. Mir ging es nach diesem Flug richtig gut… :-)

OZA_SmileMir war nach 2 Flügen mit 445Km/h klar, dass ich an diesem Wochenende nicht viel schneller werde Fliegen können. Nun galt es Marcus und Christian aufmerksam zu beobachten. Christian Schalk startete gegen kurz vor 12 Uhr mit seinem Flux zu einem Versuch in #196. Er bekommt eine gültige Messung von 493Km/h mit Rückenwind. Jetzt einen Treffer von der anderen Seite und ich bin meinen Rekord los. Leider löste bei Christian eine der beiden Kameras nicht aus, oder beim Einflug wurde die Höhenaufgabe verletzt. Marcus ging es nicht viel besser. Erst kämpfte er mit einem defekten Rumpf an seinem Speeder, der das Modell nahezu unsteuerbar machte. Nach der Reparatur passte die Trimmung nicht 100%. Auch er verpasste eine volle Wertung wegen nicht auslösenden Kameras bzw. Fehlern beim Einflug. Christian Schalk flog bis 14 Uhr noch 2 weitere Versuche, Marcus flog 3x. Und was soll ich sagen: Von keinem Flug gab es eine 100% Wertung über meinen 445Km/h. Als das Wettbewerbsende ausgerufen wurde musste ich tief durchatmen: Neuer Weltrekord in der Klasse #196!

Combo_Rekorde

Links: Christian Erdt / Tomahawk (433Km/h), Recht: Oliver Zanker / Typhoon XS (446Km/h)

Rückblickend muss ich sagen, dass das Wochenende optimal verlaufen ist. Bei keinem meiner 9 Flüge hatte ich einen Fehler bei der Höhenkontrolle. Den alten Rekord von Dr. Marcus Koch konnte ich 3x überbieten, somit war das selbst gesteckte Ziel erreicht. Alles andere war Bonus. Dass am Ende ein Weltrekord rausspringt hatte ich nur hoffen können. Von der Geschwindigkeit meines Setups war ich unterlegen. Es ist wie im Fußball, da gewinnt auch nicht immer das beste Team. Jetzt geht der Papierkram mit der Weltrekord Akte los. Aber das nehme ich gerne in Kauf. Danke an alle Mitstreiter, die diese Veranstaltung ermöglicht haben!!!

Dokumentation der Setups/Flüge für meine Statistik:

  1. SA 428Km/h (Weltrekord) / 100% / 10.3×17 / SLS / Lipo Hi 70C
  2. SA – / – / 10.3×17 / MyLipo / 51C Vo / 55C Hi / Kein Treffer Anlage
  3. SA 439Km/h / nur eine Seite / 10.3×17 / SLS / Hi 79C / 76s Motor
  4. SA 450Km/h / nur eine Seite / 10.4×20 / MyLipo / 60C
  5. SA 445Km/h (Weltrekord) / 100% / MyLipo / 10.4×20 / 65C Hi, 59C Vo / 58s Motor
  6. SO 445Km/h (Weltrekord) / 100% / MyLipo / 10.4×20 / 64C Hi, 61C Vo / 62s Motor
  7. SO – / – / 10.4×20 +2Grad / MyLipo / unter 60Ci / 2 Steiger YGE160HV OverHeat
  8. SO 436Km/h / nur eine Seite / 10.4×20 / SLS / Hi 74C, Vo 61C
  9. SO 451Km/h / nur eine Seite / 10.4×20 / MyLipo / Hi 60C, Vo 59C

Externe Quellen und Links:

# RC Network Thread zu den WR Versuchen 2014 in Ballenstedt

# RCGROUPS Thread Typhoon Series and WRV 2014

# RC-Line Forum Thread zu den WR Versuchen

# Infos zur Veranstaltung bei Powercroco.de

# Youtube Kanal mit Videos (Samstag) von den WRV 2014

# Presse Mitteldeutsche Zeitung: Artikel 1 / Artikel 2 / Artikel 3

FAI Weltrekorde #196 in Ballenstedt (2014)

Am Wochenende 30/31.08.2014 fanden in Ballenstedt auf dem Verkehrslandeplatz Weltrekord Versuche statt. Einen ausführlichen Bericht werde ich später erstellen, die Ereignisse müssen erst sacken. :-)

Mein Minimalziel: den von Dr. Marcus Koch in 2013 aufgestellten Weltrekord der Klasse #196 Comb überbieten. Das gelang auf der 300m FAI Strecke bereits im ersten Flug. Danach war der selbst gemachte Druck weg und es konnte weitergehen. Schlussendlich konnte ich am Ende der Veranstaltung mit 446,96Km/h den schnellsten gültigen Flug in meiner Klasse durch die Messanlage verzeichnen. Neuer FAI Weltrekord in der Klasse #196!*

Pilots_Caller

Links im Bild ist Christian Erdt, der Konstrukteur der FAI Weltrekord Messanlage. Er konnte am Samstag den Rekord #196 auf 430,26Km/h steigern. In der Mitte unser Caller Niklas Kahlich. Er hält derzeit den Rekord #175 mit 477Km/h. Rechts im Bild dann meine Wenigkeit mit dem Typhoon XS. Am Sonntag konnte ich den Rekord #196 auf 446,96Km/h verbessern. Weitere Details hebe ich mir für den ausführlichen Artikel auf. Danke an Alle Mitstreiter, die diese Veranstaltung in Ballenstedt 2014 ermöglicht haben!

Abschließend ein erster Einblick in die Papierarbeit, die mich die kommenden Tage und Wochen beschäftigen wird. Der „Preliminary Notification“ muss innerhalb 7 Tage nach dem Rekord durch den DAeC abgezeichnet und bei der FAI eingereicht werden. Dieser erste Schritt wurde durch Michael Thoma vom DAeC eingeleitet. Meinen Dank dafür. Anschließend muss innerhalb 120 Tagen eine vollständige, umfassende Rekordakte mit allen Details (in englischer Sprache) bei der FAI vorliegen. Geht dabei was schief wird der Rekord nicht anerkannt.

Preliminary_Notification_Comb_2014

Mittlerweile kann man sehen, dass die Notification bei der FAI eingegangen ist. Unter folgendem Link mit der Nummer 17298:

http://www.fai.org/record-aeromodelling-and-spacemodelling

FAI_Record_Claim

*in Anerkennung durch den DAeC und die FAI

F3 Speed – DM 2014 in Tussenhausen

Die Internationale Deutsche Meisterschaft der F3 Speed Piloten fand diesmal in Tussenhausen auf dem Werksgelände der Firma Grob Aircraft statt. Man merke auf: Ein Platz im Süden, was es die letzten Jahre nicht gab (bisher immer beim DO-X in Osnabrück). Ein privater Flugplatz ganz für uns alleine, also Platz ohne Ende. Etwas vermisst habe ich die kuschelige Atmosphäre beim DO-X: In Tussenhausen gab es keinen Stromanschluss, 400m bis zu den Sanitäranlagen, Flugplatz rough Green statt Modellbau Piste, keine Rundum-Sorglos Verpflegung wie in Osnabrück. Jammern nützt nichts, man muss sich arrangieren, schließlich wollen wir schnell Fliegen!

Gruppenfoto_kleinWie auf dem Gruppenfoto ersichtlich, hat mit Frank endlich auch ein Hubschrauber Pilot den Weg zu uns gefunden. Wegen einer Terminüberschneidung mit einem Heli Event in den USA sind es leider nicht mehr Hubschrauber Speed Piloten geworden. Aber ich denke das wird noch…

Zu den Details. 5 Verbrenner- und 20 Elektro Speeder waren angetreten, den Deutschen Meister zu ermitteln. Es gab 2 Verbrenner Klassen (10ccm + 15ccm) und FAI Elektro (bis 72V und 75g dm²). Die Leistungsdichte war wieder höher als 2013. Die Methanolfraktion beschwerte sich zwar über „schlechte“ Luft (schwül und warm), dennoch gelang es Hartmut Schulze in beiden Klassen über 400Km/h zu fliegen. Somit verdient P1 in beiden Verbrenner Klassen. In Elektro wurde mit Spannung der erste 500Km/h Flug durch die Messanlage erwartet. Bei den Weltrekord Versuchen 2013 in Ballenstedt gab es auf der 300m FAI Strecke schon einzelne Durchflüge über 500Km/h, aber keine komplette Wertung. Hinweis: Auf der DM 2013 sind wir noch mit max. 10s Lipo, also 42V Reglement, geflogen. Diesmal volle Leistung, was das FAI Reglement hergibt. Dennoch sind einige Piloten bei den 10s Setups geblieben. Die ersten 3 Plätze hatten aber mehr Lipos an Board: Marcus ein 12s Setup, bei Kai bin ich mir nicht sicher (12 oder 14s) und Christian Schalk hatte 11s im Flux. Mit der 500er Wertung ist es nichts geworden, wir hatten allerdings zwei Flüge mit 503,50 Km/h. Hier die Ergebnisse direkt aus der Messanlage.

DM2014_F3S-FMeine Herren, das ist schon ambitioniert schnell! Marcus Koch gewinnt verdient nach sauberen Flügen knapp vor Kai Koppenburg. Marcus hat es endlich geschafft mit seiner Eigenkreation, dem Typhoon Speeder, den Sieg einzustreichen. Dies hat einige Jahre Arbeit gekostet, aber die Mühen haben sich gelohnt. Vor allem der Rookie Christian Schalk hat auf seiner ersten DM eine gute Vorstellung abgeliefert. Auf dem Speedcup in Siegendorf hat er zum ersten Mal Durchflüge durch die Messanlage geübt und jetzt schon P3. Gratulation! In meinen Augen wäre sogar noch mehr drin gewesen, denn bei dem letzten Flug war es fast perfekt windstill. Knapp 490Km/h von Links waren ein guter Anfang, aber die Seite von Rechts hat er 2x nicht sauber geflogen, dann war der Akku leer. Und diese Durchflüge von Rechts waren beide sehr schnell. Gerüchte sagen, dass er auf den kommenden Weltrekord Versuchen in Ballenstedt antreten wird. Christian ist in der Jugendtruppe um Erwin Schamburger aktiv. Durch diesen „Umstand“ hat er die Lernkurve extrem schnell vollzogen. Perfekt eingestelltes Material vom Altmeister Erwin und gutes Coaching ergeben dann entsprechende Ergebnisse. Fliegen kann der Bursche auch noch! Merkt man, dass mich P4 etwas wurmt? :-) Christian, tolle Leistung, weiter so.

Mein persönliches Minimalziel war eine komplette Wertung über 400Km/h. Diese magische Schwelle begleitete mich 3 Jahre lang, und jetzt ist das Trauma endlich Geschichte. Auf dem Speedcup in Siegendorf habe ich den Typhoon XS eingeflogen und gleich beschädigt (defektes Servo DES 930 HV). In Tussenhausen war alles wieder gerichtet, frische Akkus im Typhoon XS, und direkt im ersten Flug am Freitag mit 436Km/h wurde die 400er Marke geknackt. Damit war das Wochenende eigentlich schon sehr positiv verlaufen. Jetzt aufhören war allerdings keine Option. Also habe ich am Setup geschraubt und versucht meine Speeds zu erhöhen. Anbei mein Protokoll:

  1. FR – 10.3×17 – 436Km/h – 100%
  2. FR – 10.1×20 – 440Km/h – 100%
  3. FR – 10.1×20 – 444Km/h Durchflug – 80% / Nach 80s Hitzeabschaltung
  4. SA – 10.4×20 – 347Km/h 80% / Nach 65s Hitzeabschaltung
  5. SA – 10.4×20 – 458Km/h – 100% – zusätzliche NACA Hutze eingebaut
  6. SA – 10.6×20 – 454Km/h – 100%
  7. SO – 10.6×20 – 473Km/h Durchflug – 80% / 65s Motor / Lipo 77Grad!
  8. SO – 10.6×20 – Keine Wertung – 64s Motor – hi. Lipo 75Grad / vorne 65 Grad

Setup Typhoon XS:

Leider hatte ich keinen Unilog im Flieger. Das ganze Loggerzeug beansprucht derzeit bei mir zu viel Nerven, dass ist Stress pur beim Zusammenbau. Dies habe ich mir bei der DM gespart und mich lieber auf die Flugaufgabe konzentriert. In den Akku habe ich nach dem letzten Flug 3420mAh eingeladen, was ungefähr einem durchschnittlichen Strom von 190A entspricht. Laut Rechnungen geht der Peakstrom über 230A, was dann auch den abgekochten Akku (nur 35C Lipos) mit 75 Grad erklärt. Letztes Wochenende war ich auf dem Flugtag in Kirberg, dort war der Unilog mit Light Setup (10.3×17) im Typhoon XS dabei. Die Datenauswertungen stehen noch aus.

Randbemerkungen

Akkus und Lade-Equipment: Die komplette DM bin ich mit einem 10s 5000mAh Akkusatz geflogen. Die SLS 45C Magnum V2 waren leider ausverkauft, daher musste ich auf 35C Zellen zurückgreifen. Wo deren Schmerzgrenze liegt habe ich jetzt herausgefunden. Als externe Stromversorgung habe ich einen 640W 2T Generator von Bauhaus verwendet. Der läuft mit 50:1 Gemisch, welches ich auch in meiner F-Schlepp Maschine verwende (102 Oktan Benzin + Motul 800 Racing 2T Öl). Allerdings kommt der Generator an seine Leistungsgrenzen: 2x Lader mit 5A Ladestrom, 1x Heizbox 70W und einen kleinen Robbe Lader für den Empfängerakku. Da fängt er schon böse an zu spucken. Wenn man auf jeweils 4A Ladestrom runtergeht passt es wieder. Durch die wenigen Teilnehmer war es aber nicht möglich, jeden Durchgang zu fliegen. Jeden 2ten Durchgang konnte ich absolvieren. Nach dem Flug habe ich die Akkus 15-20min abkühlen lassen. Danach ging es direkt zum Laden in die Heizbox. Die Akkus sollten 90min geheizt werden, damit auch die inneren Zellen Temperatur haben (Ziel: 40-43 Grad). Fazit: 2 Akkusätze machen schon Sinn, oder ein stärkerer Generator + besseres Ladegerät, damit man 2C bzw. 3C Ladung der Akkus fahren kann.

Team Tanto / AkaModell München: Ich hätte es den Jungs gewünscht, dass eine ordentliche DM mit dem neuen Modell Tanto gelingt. Auf den WR Versuchen 2013 in Ballenstedt war Versuch Nummer 1 gescheitert. Nun scheinen die technischen Probleme behoben, aber die Fuhre kommt einfach nicht in die Gänge. Jakob kann fliegen, als ehemaliger Deutscher Meister und WR Inhaber hat er das bewiesen. Der vorletzte Platz mit 372Km/h ist sicher unbefriedigend für alle Beteiligten der AkaModell München. Irgendwo im Tanto Konzept ist eine Bremse eingebaut, welche es nun zu eliminieren gilt.

Externe Links

RCN Thread – Speed DM 2014

DAeC Ergebnisse – F3 Speed DM 2014 in Tussenhausen

Presse:

OberpfalzNetz.de

Mittelbayerische Zeitung

 

Speedcup Siegendorf (AT) 2014

Der Speedcup in Siegendorf ist das erste Highlight im Speederkalender 2014. Auf keinem mir bekannten Modellflugplatz ist der Flugraum besser zum Speeden geeignet. In Deutschland müssen wir da schon einen manntragenden Flugplatz mieten, um ähnlichen Luftraum zu bekommen. Nachteile: Lange Anreise von meinem Wohnort und nervige Stechmücken am späten Abend. Jeder Kilometer war es wert, so viel vorab!

Zeit für den Erstflug meines neuen Flaggschiffs! Der Typhoon XS von Marcus Koch in einem von mir bestellten Spezialdesign. Eine Schönheit in Spread Tow…

Sieg14_06Sieg14_05Schwarz muss schon sein, für mich, und die Messanlage natürlich. Staudruckrohr ist gleich in der Fläche mit eingebaut, doppelte D-Box, komplettes HV Setup mit Graupner DES 930 BB MG und Gegenlager, Gigaflaps am HLW und ordentlich Platz im Rumpf. Meine alten 3500er Akkus aus dem Flux nehme ich zum Einfliegen, dafür ist Siegendorf ideal. Viel Platz, und immer etwas Wind, damit die Fuhre im Endanflug auch etwas abbremsen kann. Folgende Bilder habe ich von Florian Müller (Copyright) übernommen:

Sieg14_01Sieg14_02
Mir waren 4 Flüge gegönnt, um mich langsam an den Vogel zu gewöhnen. Richtig ausgetrimmt fliegt sich der Typhoon sehr einfach und man kann sich auf die wesentlichen Aufgaben des Speedens konzentrieren: Die Anlage zum Auslösen zu bewegen! Mit schlappen Akkus und der 10.5×17 bin ich 395Km/h im Mittel geflogen. Mein Ziel einer 400er Wertung ist mir auch im dritten Jahr Speedcup bis jetzt nicht gegönnt. Motor ist ein PC4234, 45er Mittelteil, YGE160HV, 10s 3500 Akkus (SLS XTron 30C und Gens Ace 60C).

Konfuzius sagt: Benutze immer den Motor Kill Switch deiner Anlage!

Warum nur 4 Flüge an einem 3 tägigen Speedcup? Das mag sich mancher Leser gefragt haben. Nun, ich schaffe es immer wieder meine Speeder in einen flugunfähigen Zustand zu versetzen. Talent, zumindest in dieser Technik, ist mir in die Wiege gelegt. Was war passiert: Ich wollte den ersten Flug mit kompletter Unilog Bestückung durchführen (Speedrohr, Drehzahl, Stromsensor). Dabei kommt leichter Stress auf, weil eine Menge an Kabel verstaut werden will. Meine Anlage lag link neben dem Modell. Anlage an, Modell Strom an, Servo Check, Akkus angeschlossen, Flügel aufgeschraubt. Dann tape ich immer noch vorne und hinten mit Coroplast den Flügel ab. Ich schiebe also den Typhoon auf dem Tisch nach links, so dass der Flügel vorne Luft zum abtapen bekommt. Dabei kommt ich mit dem Flügel an den Gasknüppel meiner Anlage, 7KW Motor laufen los! Im Reflex drücke ich den Typhoon auf den Tisch und ziehe das Teil zurück. Der Prop kommt an die Tischkante und explodiert sofort. Nach einer Schrecksekunde kann ich den Motor abstellen. Einige Kameraden in meiner unmittelbaren Umgebung sind leicht blass im Gesicht. Sorry Jungs!!!! Von dem Prop sind nur kleinste Splitter übrig geblieben. Einige stecken in meinem Unterarm, aber keine große Sache. Der Tisch hat auch einige Macken abbekommen. Viel, viel Glück gehabt, dass hier nichts schlimmeres passiert ist. Meine MPX Royal hat einen „Kill Switch“ für den Motorkanal, um genau solche Probleme zu vermeiden. Nur aktiviert hatte ich den Switch diesmal nicht! Die Reste des 10.5×17 Props habe ich mir an eine Schnur gebunden, welche von nun an als Warnung in meinem Zelt hängen werden. Spart euch diese Erfahrung! Äußerste Vorsicht beim Umgang mit „scharfen“ Fliegern. Wir hatten im Verein schon tiefe Schnittwunden mit Easy Glider Antrieben. So ein Speeder ist noch um einiges schlimmer, also trefft entsprechende Gegenmaßnahmen.

Sieg14_09Nach dem Vorfall habe ich alles demontiert und mir eine 1h Pause zum runterkommen gegönnt. Ein nächster Flug sollte mir leider nicht mehr gegönnt sein. Das linke QR Servo hat sich bei dem Unfall verabschiedet. Beim Runterdrücken des Typhoons auf den Tisch habe ich die Linke Klappe gegen die Tischkante gedrückt. Da ist jetzt eine kleine Macke. Somit hat sich das Servo gegen mein Körpergewicht wehren müssen. Ich habe gewonnen, das DES 930 HV hat verloren. Wie ich das Servo ausgetauscht habe ist hier dokumentiert.

Splitter – Was gab es noch zu sehen?

In Siegendorf war der erste offizielle Showdown der Limited und Holzklasse. Dabei zeigte sich, dass zwar etliche Flieger darauf zugeschnitten sind, aber nur sehr wenige Regelkonform bewegt wurden. Einige Piloten wollten auch nicht in die Rangliste aufgenommen werden. Das Reglement Problem vieler Piloten: Es hätte Blei im Flieger gebraucht, um den gegebenen Akku mitführen zu dürfen. Markus Schweinhuber zeigte einen gut abgestimmten Monster 1.1, den er schlussendlich mit 412Km/h im Mittel durch die Anlage jagte. Platz 1 in der Limited Wertung bis jetzt. Die Holzspeeder waren knapp darunter, aber 385Km/h wurde mehr als einmal erreicht. In Spelle kommt der finale Shoot Out der neuen (inoffiziellen) Klassen für 2014, da bin ich mir sicher.

Es gab 2 Brände zu vermelden. Am Samstag brannte ein Weizenfeld in unmittelbarer Nähe zum Flugplatz (hier Bilder und Infos). Der Jugendtruppe um Erwin Schamburger ist ein 2/3 Holzspeeder im Landeanflug abgestürzt. Kurz davor wurde das betreffende Weizenfeld abgeernet. Als ich den Jungs helfen wollte den Flieger zu bergen, bemerkte ich Rauchschwaden im Feld. Erster Gedanke: Absturz, Lipo, trockenes Feld …. wir sind Schuld! Nach einiger Hektik …. gemeinsamer Löschversuch, Feuerwehr, Polizei … stellte sich heraus, dass der Flieger an einer ganz anderen Stelle abgestürzt ist, und nachweislich nicht den Brand verursacht hat. Da hat wohl der Mähdrescher Funkenflug verursacht und einige Minuten später hat ein Windstoß das Feuer entfacht. Mehr Spannung als nötig, aber alles gut ausgegangen. Am Sonntag brannte die Hütte des Gastgeber Vereins. Na ja, es brannte nicht offen, aber es schwelte die Wand direkt neben dem Stromgenerator. Erschwerend kam hinzu, dass die Wand mit ordentlich Torx Schrauben befestigt war. Es hat gedauert, bis wir das gelöst hatten. Schlussendlich ist es glimpflich ausgegangen. Die Umgebung in Siegendorf hatte seit 6 Wochen keinen Tropfen Regen gesehen. Hätten wir den Feldbrand am Samstag nicht eingedämmt, bis die Feuerwehr eintraf, wäre wahrscheinlich ein großer Landstrich an Weizenfeldern in Flammen aufgegangen. Dann wäre Schluss mit Speeden gewesen…

Mein Moskitonetz über dem Hut wurde zuerst belächelt, dann habe ich gelächelt, als die Kollegen vor den Stechmücken geflüchtet sind. Ich bin eigentlich immer für gemeinsames Camping auf dem Flugplatz, zumal die Lage in Siegendorf wirklich schön ist. Aber durch die Nähe zum Neusiedler See hat es einige Stechmücken. Das sind nicht nur wenige Exemplare, das sind Horden. Und die warten nur auf leckere Modellflieger. Tagsüber kein Problem, nur ab 21:30 ist die Schonzeit vorbei. Mein Hotel hatte Fliegengitter vor den Fenstern… :-)

Mein ausdrücklicher Dank gilt dem Verein in Siegendorf, der seinen Platz für uns öffnete. Peter Erdt hat sich voll ins Zeug gelegt, um uns lecker zu verköstigen. Allen Helfern ein großes und dickes DANKE! Wenn es sich terminlich einrichten lässt komme ich gerne wieder nach Siegendorf! Ich denke, ich spreche hier auch im Namen der Kollegen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt bei euch.

Erwin Schamburger hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt und ist mit kompletter Jugendtruppe aufgelaufen. So können die Jungs mal sehen, welche Sparten an Wettbewerb es gibt. Geschlagen haben sich die Youngster sehr gut. Es gab einige Wertungen mit folgenden Modellen: 2/3, Gixxer, Speed Ninja, Vollstrecker. Vor allem der Gixxer ist immer ein Highlight für mich, weil die Jungs den im Rückenflug starten (Tiefdecker!). Erwin wird einen Bericht für die FMT erstellen, also Obacht in nächster Zeit. Erwin, Danke für deinen Einsatz zur Nachwuchsförderung und Öffentlichkeitsarbeit!

So, habe fertig. Die nächsten Speeder Termine stehen an. Zum einen die Deutsche Meisterschaft in Tussenhausen. Dann, wenige Wochen später, die Weltrekord Versuche in Ballenstedt. Abschließend hier der Link zu den Ergebnissen aus der Messanlage und noch einige Bilder. Let the Air burn!

Defektes Servos aus Fläche entfernen – Typhoon XS

Mein neues Flaggschiff der Speeder Abteilung (Typhoon XS von Marcus Koch) ist gerade 4 Flüge alt, da ist ein Defekt bei einem QR Servo Graupner DES 930 HV zu verzeichnen. Warum geht so ein Servo kaputt? Eigene Dummheit! Dazu später mehr im Post zum Speedcup in Siegendorf 2014. Das Servo ist im Flügel verklebt und muss heraus operiert werden. Wie man hier am besten vorgeht werde ich nachfolgend beschreiben. Und ja, es tut weh, wenn man an so einem Flügel den Dremel ansetzen muss.

Nach dem Entfernen der Servo Abdeckungen ist zu sehen, dass das Servo nur halb hervorsteht und mit der Ober- und Unterschale verbunden ist. Das bekommt man am Stück nicht heraus, zumal noch ein Gegenlager verbaut wurde. Dieses eigentlich gute Feature wird hier fast zu einem Show Stopper. Man könnte natürlich versuchen das Servo am Stück herauszubrechen. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass die Oberschale Schaden nimmt. Und das will ich auf keinen Fall! Fangen wir mit den Bildern an…

QR_01Die Maße der Abdeckung sind gut zu erkennen, ein Balsa Streifen stellte den Kontakt zur Unterschale her (schon entfernt). Das Ersatzservo wird auf das defekte Servo gelegt. So kann man die Umrisse für den späteren Schnitt genau bestimmen. Genau ist hier wörtlich zu nehmen, denn das Servo ist an einer Rippe zusätzlich im Flügel verklebt. Und diese Rippe sollte man nicht beschädigen, weil man 1-2mm mehr wegnimmt als nötig.

QR_02Am Servoboden ist das 930HV bündig mit der Rippe verklebt. Die Kleberaupe habe ich dort schon bearbeitet. Nun entfernen wir die Schraube vom Gegenlager. Gut zu erkennen ist, dass hier keine normale Schraube zum Einsatz kommt, sondern ein Modell mit Außen Sechskant Kopf. Wäre das eine normale Schraube gewesen hätte ich das Gegenlager auch entfernen müssen. Mit einer kleinen Flachzange und viel Geduld bekommt man die Schraube vom Gegenlager raus. Jetzt kommt der brachiale Teil: Mit dem Dremel und einer dünnen Trennscheibe schneidet man eine Öffnung in das Servo, lässt aber die Seitenteile stehen. Das ist wichtig, denn die brauchen wir später noch. Vorsicht: Das DES 930 HV besteht im oberen Teil aus Plastik, die unteren 2/3 sind aus Alu. Da kommt man mit dem Dremel nicht mal so ohne weiteres (schnell) durch. Es dauert, und Alu überträgt die Wärme sehr gut. Ich habe aus Rücksicht auf die Fläche nach 2 Schnitten eine Pause eingelegt, weil die Oberseite der Fläche empfindlich warm wurde. O.K. das Servo ist jetzt offen. Nun entfernen wir alle Innereien. Das sieht dann so aus.

QR_04Das kleine weiße Zahnrad im Vordergrund ist übrigens aus Plastik. So viel zum Thema BB MG (Metallgetriebe). Die Herren Ingenieure werden sich was bei gedacht haben, hoffentlich als Sollbruchstelle.

QR_03Jetzt kommt der heikle Teil und der Belastungstest für den Kleber. Zuerst die Zentralachse des Servos entfernen. Ein Dremel Schnitt link und rechts, dann einfach raus damit. Der obere Teil ist, wie erwähnt, aus Plastik. Einfach rausbrechen geht aber nicht weil 4 lange Schrauben vom Aluboden bis in den Deckel reichen. Die Führungen dieser Schrauben habe ich mit dem Diamantfräser entfernt, dann halten die Dinger nicht mehr im Plastik. Jetzt kommt der Deckel mit leichter Gewalt (vorsichtig!!!) raus.

QR_05Die langen Schrauben aus dem Boden kann man noch erkennen. Was jetzt übrig ist besteht aus Alu. Einfach abschälen wie beim Plastik geht hier nicht. Aber große Gegenwehr war auch nicht zu verzeichnen. Sanfte Gewalt und der Boden war raus. Operation geglückt, der Patient lebt noch ohne weiteren Schaden zu nehmen.

Das neue DES 930 HV einzubauen dürfte nicht schwer werden. Sollten sich dabei Unwägbarkeiten ergeben werde ich den Post hier updaten. Noch einmal alle Bilder in der Gallery.