Weltrekord Versuche 2015 in Ballenstedt

Alternative Überschrift: Riders on the Storm!

Tja, der Sommer in Deutschland ist 2015 schon sehr eigenartig. Die Woche vor den WRV hatte es Temperaturen an die 40 Grad im Schatten, aber am langen Wochenende (FR/SA/SO) der Veranstaltung zog ein heftiger Sturm über das Fluggelände. Beginnen wir der Reihe nach….

Als Contest Director der Veranstaltung bin ich Donnerstagnacht in Ballenstedt auf dem Flugplatz angekommen und konnte sogleich die Heli Piloten Miles Dunkel und Frank Strupp begrüßen. Diese erste Nacht war noch sehr angenehm und stressfrei. Am nächsten Tag haben wir dann ab 8:30 angefangen aufzubauen. Da wir mitten auf der Rasenfläche des Flugplatzes unser Lager hatten ist Null Infrastruktur vorhanden. Also haben wir das Sicherheitsnetz, Absperrungen, die HighSpeed WRV Messanlage, und Zelte bzw. Vorzelte der Wohnwagen aufgebaut. Nun waren auch fast alle WR Piloten anwesend, so dass gegen 12:30 Uhr ein erstes Pilots Briefing abgehalten werden konnte. Dieses Jahr standen etliche Rekordklassen auf der Agenda: Neben den bekannten Flächenklassen #175 / #196 und der Heli Klasse #203 auch Heli Dauerflug, Solar Dauerflug, Solar Speedflug und Solar Streckenflug. Daneben waren auch internationale Piloten angereist, um den Italienischen und den United Kingdom Speedrekord zu brechen.

Die Wettervorhersage war nicht optimal. Freitagnachmittag leichter Wind aus östlichen Richtungen, aber etwas schwül. Für den Samtag war schwerer Sturm angesagt und Sonntagvormittag noch Wind, aber besseres Wetter. Wettbewerbsende sollte Sonntag gegen 13Uhr sein. Somit blieb realistisch für Rekordflüge nur der Freitagnachmittag und der Sonntagvormittag/Mittag. Nicht viel Zeit, um sich an die lange WR Strecke zu gewöhnen (300m) und das Material optimal abzustimmen.

Gegen 14:30Uhr am Freitag war es dann soweit, und der UK National Rekord #175 gebrochen. Tom Stallan konnte mit der Chimera 426,79Km/h erreichen. Bei seinem ersten Einsatz in der Strecke keine schlechte Leistung. Wie ich hörte wird für die kommende Saison aufgerüstet.

WRV2015_UK-RecordKurz danach wurde der Heli Speedrekord mit 282,65Km/h von Miles Dunkel geknackt. Der erste Heli Streckendurchflug über 300Km/h von einer Seite war zu verzeichnen, und das auf der 300m WR Strecke.

WRV2015_Heli-RecordGegen 16:45 war dann der zweite National Record #175 gebrochen. Team Italia konnte 376,76Km/h erzielen. O.K., der Rekord stand vorher bei 0,00Km/h. Aber Gery hat sich von Flug zu Flug gesteigert. Seinen Speedbird DP hat er eigens für diese Veranstaltung entworfen und 3 Modelle komplett selbst gebaut. Die Speed Szene in Italien ist nach seinen Aussagen sehr klein bzw. nicht vorhanden. 2500Km Anreise sind auch eine Hausnummer, Respekt!

WRV2015_IT-RecordDie anderen Piloten brachten am Freitag keine Speeds in Rekordnähe zustande. Es fehlten schlichtweg 20-30Km/h. Diese „Wetterfühligkeit“ der Setups hat u.a. mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu tun. Dazu später mehr. Ach ja, einen Rekord gab es am Freitag noch zu vermelden: Solar Streckenflug mit 1140m. Holger Lambertus konnte diese Leistung bei widrigen Bedingungen erfliegen. Die Solarflieger erhalten die Motorenergie aus ungepufferten Solarzellen, so dass Wolken vor der Sonne eher hinderlich sind. Die Leistung bricht massiv ein, sobald die Sonneneinstrahlung gedämpft ankommt. Leider habe ich kein Bild vom Piloten, sondern nur vom Modell.

WRV2015_SolarDie Solarzellen stammen aus der Produktion, die auch für die manntragende Solar Impulse verwendet werden. Vielleicht nicht die gleiche Sortierung, aber doch sehr gute Zellen. Holger hat in einem RC Network Thread ausführlich berichtet.

Der Samstag war dann aus Speedersicht leider ein Totalausfall. Die Sturmfront zog genau über den Flugplatz. Stellenweise hatten wir Böen von über 40kn aus westlichen Richtungen. Es gab nur kurze Zeitfenster, an denen überhaupt Flugbetrieb stattfinden konnte. Einzig Christian Schalk zeigte „cojones muy grandes“ und flog als einziger an diesem Tage seine Speeder. Am Tag zuvor noch Abschluss Party in der Schule und dann am Samstag bei Sturm Speeder fliegen, und den Rekord von Niklas Kahlich aus 2013 angreifen. Den Trainingsflug absolvierte er noch mit seinem ECO Modell, danach mit seinem WR Modell, einem Fluxkompensator. Zumindest Flugzeit und Training konnte er bekommen, Rekordnahe Geschwindigkeiten waren nicht drin bei dem Wetter. Gegen Abend und in der Nacht wurde es mit dem Wind immer schlimmer. Fast alle 8 Pylonen der Messanlage sind abgeknickt, Plastikstühle hat es einfach weggeblasen. Und die Vorzelte der Wohnwagen wurden mit allem gesichert, was vorhanden war. Einziger Vorteil des Sturms: Der Grill am Abend ist in Rekordzeit durchgeglüht!

Es war durch die Wettervorhersage im Internet bekannt, dass die Bedingungen am Sonntag immer besser werden sollten. Daher beschlossen wir in Absprache mit dem Tower des Flugplatzes in Ballenstedt die Veranstaltung erst um 13:30Uhr enden zu lassen. Gegen 10Uhr am Sonntag wurde das letzte Briefing abgehalten. Am Vormittag herrschte noch reger Wind und Luftfeuchtigkeit zwischen 50% und 60% vor. Und wieder das gleiche Bild…es fehlten 20-30Km/h an Speed. Gegen Mittag stiegen die Temperaturen, der Wind flachte ab und die Luftfeuchtigkeit sank in Richtung 30%. Auf einmal wurden die Geschwindigkeiten immer schneller.

Christian Hidde hatte ein brachiales Setup in seinem Typhoon eingebaut. Dieses erlaubt nur 2 Durchflüge, bis die Lipo Zellen nachgaben. Das bedeutet schon im ersten Anflug auf 500-600m Höhe zu steigen und dann keinen Fehler zu machen. Nur eine Fehlmessung, und der Run war ruiniert. 2x war er sehr nah an den 477Km/h von Niklas Kahlich dran. Leider hatte er Freitag und Sonntagvormittag die Akkus zu sehr gefordert, so dass nun die letzten Prozent Leistung fehlten.

Das CrocoBlade Team kämpfte um beide Klassen. Am Sonntag wurde ein Flug nach dem anderen absolviert und anschließend die Logs analysiert.

WRV2015_Croco_01Christian Erdt hatte viel Pech und verlor A und B Modell. Im Rennen um #175 waren nun noch Fabian Wunderlich und Christian Schalk (mit Fluxkompensator). Max griff nach dem Rekord der Klasse #196. Dies war sein erster Einsatz mit einem Großspeeder, sonst ist er als Pilot des „Shorty“ bekannt. Diesen 80cm Speeder bewegt er durchaus mit 350Km/h durch die Strecke. Da ist ein 4Kg Großspeeder eher Entspannung, was den Puls nicht zu sehr in die Höhe treiben sollte.

Gegen 13:10Uhr flog Max mit der CrocoBlade neuen Rekord in der Klasse #196 mit 474,95Km/h. Mit einer Dreiblatt Luftschraube und sehr niedrig drehendem Motor war der Flieger fast nicht zu hören. Somit war mein eigener Rekord aus 2014 Geschichte. Bei der Leistungssteigerung war das aber zu erwarten. Der Showdown ging weiter: Um 13:20Uhr erreichte Fabian Wunderlich 481,56Km/h in der Klasse #175. Der alte Rekord von Niklas Kahlich aus 2013 war damit auch gebrochen. Christian Schalk setzte um 13:25Uhr zu seinem letzten Flug mit dem Flux an und erreichte dort ca. 483Km/h. Leider war der Ausflug bei seiner letzten Strecke deutlich außerhalb des 20m breiten Korridors der Messanlage, so dass dieser Flug nicht gewertet wurde.

Gegen 13:30Uhr verstummten die Motoren, und die Veranstaltung wurde beendet. Alle Flächen und Heli Speed Rekorde wurden gebrochen! Eine tolle Leistung der Piloten. Wir hatten nicht einen Sicherheitsverstoß und alles lief sehr gesittet und geordnet ab. Beim Abbau der kompletten Infrastruktur halfen alle Piloten und Unterstützer, so dass wir hier in Rekordzeit fertig wurden. Gegen 17 Uhr, nach einem leckeren Pflaumenkuchen mit Kaffee im „Fliegerhorst“ des VLP Ballenstedt, traten wir den Rückweg an. Die 3 Tage waren intensiv und stressig, aber ich glaube es hat sich gelohnt….

Let the Air burn!

Externe Quellen:

RC Network Thread

FAI Rekordliste Webseite => #175 / #196 / #203 / #188

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F3 Speed – DM 2015 in Ballenstedt

Es ist die Deutsche Meisterschaft 2015 in Ballenstedt angesetzt und ich habe keinen konkurrenzfähigen Speeder. Dieses Jahr habe ich bewusst beschlossen etwas kürzer zu treten. Nach dem Verlust des Typhoon XS  in Spelle, meinem Weltrekord Speeder, muss ich mich neu sortieren. Daher habe ich beschlossen primär meine fliegerischen Skills zu steigern, was nur durch mehr Flugzeit mit Speedern funktionieren wird. Also müssen Speeder her, am besten aus eigenen Formen, die ich auch auf dem heimischen Flugplatz fliegen kann. Mit dem Demon Speed, ein Speeder in F5D Größe, habe ich einen ersten Schritt unternommen. Durch Zufall ergab sich die Chance den Formensatz der kleinen FireBlade von Alex zu erwerben. Dieses Modell ist mit 2250g FAI Gewicht größer als mein Demon Speed (1190g) , und durch die große Flächentiefe besser sichtbar. Den Formensatz habe ich in Bad Wünnenberg auf dem Speedcup übernommen und mein „Erstlingswerk“ aus der Form wurde wenige Stunden vor der DM in Ballenstedt fertig. Diese Aktion hat knappe 3 Wochen und etliche Nachtschichten gekostet…. :-)

DM2015_FBClassic1 Mit der FireBlade Classic sind keine Geschwindigkeiten möglich, die eine Top 5 Platzierung auf einer Deutschen Meisterschaft ermöglichen würden. Aber die Ausschreibung der DM 2015 sah vor, dass die Limited Klasse als Wertung geflogen wird. Hier wurde kein Deutscher Meister ermittelt, da Limited noch keine offizielle DAeC/FAI Klasse ist, aber die geflogenen Wertungen gehen in die interne Jahresrangliste ein. Damit war mein Ziel mit der FireBlade Classic gesetzt: Angriff in Limited! In der Limited Klasse ist das Gewicht des Antriebsakkus auf 27% des maximalen FAI Gewichts limitiert (Link Reglement). Bei 2250g FAI max. sind das in meinem Fall maximal 607,5g Akkugewicht (meine Akkusätze wiegen ca. 600g). Der Reiz an der Limited Klasse liegt u.a. darin begründet, dass man die limitierte Energie in möglichst hohe Geschwindigkeiten umsetzen muss. Effiziente Flieger und Setups sind gefordert. Anbei die Aufzeichnungen meiner Flüge auf der DM 2015:

Glossar: Tag / Akku / Wertung / Kommentar / Motorzeit / Akku Temp / Ladung Lipo

  1. SA / SLS2650 / – / Trimmflug 10.4×20 / 70s / 48 Grad / 1350mAh
  2. SA / ML3000 / 372 / zieht hoch bei Gas / 70s / 50 Grad / 1715mAh
  3. SA / SLS2650 / 374 / EWD Korrektur, zieht leicht hoch / 61s / 54 Grad / 1490mAh
  4. SA / ML3000 / 381 / EWD Korrektur, zieht leicht hoch / 61s / 48 Grad / 1395mAh
  5. SA / SLS2650 / 384 / EWD + Motorsturz / 69s / 55 Grad / 1735mAh
  6. SO / ML3000 / 305 / 9,7×24 Prop Schub Problem / 46s / 43 Grad / 820mAh
  7. SO / SLS2650 / 380 / 10.4×20 +2 Grad / 58s / 55 Grad / 1565mAh
  8. SO ML3000 / 384 / Prop -2mm auf jeder Seite / 59s / 53 Grad / nicht geladen

Anbei die Wertungen und Platzierungen in Limited auf der DM 2015:

DM2015-LimitedMit dem Resultat bin ich sehr zufrieden. Der Speeder hat noch leichte „Eigenarten“ und läuft noch nicht so, wie ich das gerne hätte. Meine Ziele für die DM waren die 400Km/h Schwelle in Limited zu nehmen und das Modell nicht zu beschädigen. Zumindest ist die FireBlade Classic heile geblieben. Sie fliegt sehr agil und lässt sich einfach Landen. Dazu habe ich nicht einmal Landeklappen nach oben programmiert. In der Phase „Landung“ gehen die QR 3mm nach unten und mit dem HLW wird ein langsamer Gleitflug eingestellt. Damit gelingen Landungen sehr gemütlich für einen Speeder. Auf P1 in Limited fehlen ca. 10% Speed. Jochen und ich verwenden beide Scorpion 4525 Motoren, beide die RO 11×20 Luftschraube. Er fliegt 10s 2200er in der FireBlade XL, ich 8s 2650 bis 3000er in der FireBlade Classic. Der Rumpf der beiden Modelle ist der Gleiche, nur die Fläche der FireBlade XL ist eine andere (FAI max. 2635g). Das Profil der XL ist dünner, die FireBlade Classic hat das Originale MH54 Profil im Flügel. Auf den restlichen Veranstaltungen werde ich versuchen an den 10% Speed auf P1 zu knabbern, ohne meine Lipos zu überfordern. Das wird schwierig genug die richtige Abstimmung zu finden. Und in der Zwischenzeit heißt es weiter: Üben, üben, üben!

DM2015_FireBladeLinks ist Jochen mit der FireBlade XL (2635g FAI), Rechts Mario mit der FireBlade Classic (2250g FAI). Und jetzt mal ein Bild von Alex, dem „Mister FireBlade“. Er hat die FireBlade Serie entwickelt, u.a. auch die neue CrocoBlade mit 4000g FAI. Was ein Monster Speeder!

DM2015_AlexCrocoDiese Deutsche Meisterschaft war leider sehr übersichtlich, was die Anzahl an Teilnehmern angeht. 15 Piloten in den Elektro Klassen waren gemeldet, in den Verbrennerklassen nur 1 Teilnehmer (!) und die Heli Fraktion glänzte mit vollständiger Abwesenheit. Der Teilnehmerzahl zum Trotz konnten wir viele Flüge absolvieren, auch wenn das Wetter am Samstag (wegen Regenschauern) zu kleinen Unterbrechungen zwang. Neuer Modus bei der Startreihenfolge: Wir haben uns bei der Veranstaltung darauf geeinigt von der festen Startreihenfolge abzurücken. Es wird pro Tag eine Maximalanzahl an Durchgängen festgelegt und die Piloten können fliegen, wenn sie dazu bereit sind. Alle Flugaktivitäten werden in einer Liste protokolliert (zusätzlich zum Computer). Dieser Modus führte zu einem deutlich entspannteren Wettbewerb. Hoffen wir, dass es in Zukunft auch so bleibt…

Die obligatorische Pilotenbesprechnung am Samstag Abend verlief konstruktiv und sachlich. 2 Punkte kurz herausgestellt: a) Es wird angestrebt die Elektro Limited Klasse zu einer offiziellen DM Klasse zu machen und b) bei den Verbrennern soll eine „Flüsterklasse“ entwickelt werden.

So gern ich auch den brutalen Sound eines MB40 Verbrenner Pylon Antriebs bei 32000 Touren mag; es erscheint mir logisch, dass man damit auf dem heimischen Flugplatz kein gern gesehener Pilot ist. Es müssen Änderungen erfolgen, damit die Verbrenner Speederei nicht ausstirbt. Nachwuchs ist Mangelware. Das ist leider Fakt. Den Samstag Abend haben wir dann alle Zusammen beim leckeren Griechen in Ballenstedt ausklingen lassen. In knapp 4 Wochen sind wir wieder in Ballenstedt bei den Weltrekord Versuchen 2015.

Kommen wir zum eigentlichen Geschehen in der Elektro Klasse. Was gab es Neues? CrocoBlades! Gleich 3 dieser Monster Speeder waren im Einsatz: Ralph, Christian und natürlich Alex pilotierten die CrocoBlade schnell und ohne Probleme durch die Strecke. Die ersten Prototypen hatten auf dem SpeedCup in Bad Wünnenberg noch so ihre Probleme mit der Struktur, das scheint nun behoben. Dann war da noch das neue Big Monster von HJK Speedwings. Gerd konnte den Speeder bei einem seiner ersten Einsätze mit 451,95Km/h durch die Strecke jagen. Das langte am Ende für Platz 6. Ja, man musste dieses Jahr schon deutlich schneller als 450km/h fliegen um in die Nähe der vorderen Plätze zu kommen. Die Leistungsdichte wird vorne immer enger. Der Konstrukteur der CrocoBlade erreicht Platz 5 mit 453,48Km/h (Alex). Die Vielfalt der Modelle zeigt sich u.a. auch an Platz 4. Diesen konnte Tim als bester Jugendlicher mit 455,70 Km/h und einem Tomahawk belegen. Der Junior zeigte sehr saubere Durchflüge und hat sein Sportgerät im Griff. Der Papa hat mittlerweile keine Chance mehr. Platz 3 geht an Christian, der seine CrocoBlade mit 461,77Km/h pilotierte. Und wer liegt ganz vorne? Team Typhoon! 472,18Km/h von Stefan und 483,77Km/h von Marcus. Der alte Deutsche Meister ist somit auch der Neue. Glückwunsch an die Herren auf dem imaginären Podest! Was fehlte? Die 500er Marke wurde wieder nicht gebrochen. Wir warten weiter…. :-)

Externe Links:

Limited Jahreswertung 2015

Videos von der DM 2015

Thread bei RC Network mit Bildern

Speedcup Bad Wünnenberg 2015

Nach einem Jahr Pause war es endlich wieder soweit: Speedcup in Bad Wünnenberg und somit offizielle Saisoneröffnung für die Speed Szene. Der Event und die Location ist immer spitze, die Leute einfach sehr entspannt und locker. Was gibt es an neuen Modellen zu sehen? Was haben die Jungs über den Winter gebastelt? Welche Rookies sind neu dabei? Fragen über Fragen …. hier gibt es ein paar Antworten aus meiner Sicht der Dinge.

BW2015_01_CharterSascha mit seinem Speed Charter. MH54 Flügel und ordentlich Leistung unter der Haube. Das Modell wird wie damals nur mit Seite und Höhe gesteuert. Um die 250Km/h flog der Brocken. Noch Potential für Verbesserungen. Das Fahrwerk wurde leider beim Einfliegen geopfert.

BW2015_08_Nitro1Fabian brachte einen 3/6 (oder 2/3?) mit umgebautem Car Nitro Motor an den Start. Nach ordentlich Unterstützung der Nitro Fraktion war das Modell fliegbar. Leider ohne Bild, aber passend zum Thema „Nitro Speeder“, war der Flüsterspeeder von Harry (Beitrag 236/237) neu dabei. Leider habe ich keine Bilder und kann nur auf einen RC Network Thread verweisen. Leise und mit über 330Km/h nicht langsam. Befeuert von einem OS91 15ccm Heli Motor und einer APC 11×14 Luftschraube. Dieses Projekt war sehr beeindruckend und hat auch etliche E-Speeder dazu verleitet Überlegungen in Sachen Nitro Motoren anzustellen. Jedenfalls ist unsere WhatsApp Gruppe deutlich Nitro lastiger geworden…

BW2015_14_Jochen01Jochen brachte sein Erstlingswerk eines Voll Composite Modells mit: Ein Expresso 400 Pylon aus älteren Tagen. Erstflug ist geglückt! Beim zweiten Flug wurden dann aber strukturelle Mängel im Flug gefunden. Jochen hat den Weg vom Holzwurm zum Composite Fliegerbau in Rekordzeit vollzogen. Durch Unterstützung der Speed Community haben wir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Als zusätzliche Motivation für alle Neueinsteiger hat Jochen 2 Videoserien auf Youtube hochgeladen. Die eine zeigt den kompletten Bau eines 4/5 Holzspeeders, der andere Videobericht dokumentiert den Bau einer FireBlade XL, die von Alex gebaut wird. Hier die Links:

4/5 Baubericht auf Youtube (12 Videos)

Baudoku FireBlade XL (derzeit 3 Videos)

BW2015_04_CrocoBlade02Die CrocoBlade hatte zwar keinen Erstflug in Bad Wünnenberg, aber so richtig in Aktion gesehen haben das Modell bisher nur wenige Personen. Gehört hat man ja schon einiges, nicht aber gesehen. Das Modell ist ein 4Kg Großspeeder mit dünnem Flügelprofil und Platz für 16s 4000er Lipos. Mit einem großen Motor der Scorpion Serie 45xx versehen können um die 10KW Dauerleistung in Vorschub umgewandelt werden. Leider hatten die ersten Prototypen in Bad Wünnenberg nicht viel Airtime. Ralph sein Modell platzte in der Luft, Christian seine CrocoBlade hatte strukturelle Probleme, konnte aber noch sicher gelandet werden. Wir werden die nächsten Modelle auf der DM2015 und den Weltrekord Versuchen in Ballenstedt sehen. Dieses Modell hat das Potential auf vordere Plätze.

BW2015_12_Demon04Mein Beitrag zu neuen Speed Modellen besteht aus dem „Demon Speed„. Dabei handelt es sich um Flügel und Leitwerk des Demon F5D (Tragflächenprofil wie Bathlet F5D) und einem umgebauten F5B Rumpf des Tesla. Die Demon Urmodelle konnte ich günstig aus den Niederlanden erwerben und eigene Formen erstellen. Ziel des Projektes war es einen Speeder zu entwerfen, mit dem man auch auf meinem kleinen Heimatflugplatz trainieren kann. Die großen Speeder a la Flux und Typhoon XS konnte ich dort nicht einsetzen. Zusätzlicher Nebeneffekt: Mit einem relativ kleinen 5s 2200 Lipo ist man kostengünstig unterwegs. 2 Setups hatte ich bis kurz vor dem Event in Bad Wünnenberg in etlichen Nachtschichten fertiggestellt. Das Modell mit dem rotem Rumpf hat ein F5D Setup mit Getriebe Motor verbaut. 5s 2200mAh Lipo und ein YGE 90HV Regler befeuern einen Hacker B50 9s mit 6,7:1 Getriebe. Die knapp 10000 Touren drehen dann einen Sägezahn (SAW Tooth) Prop mit 12×25. Nach einigen Trimmflügen konnte ich damit 357Km/h im Mittel durch die Messanlage fliegen. Nicht schlecht für 1KW Antriebsleistung. Der Sägezahn Propeller wird ebenfalls von mir selber gebaut. Als Vorlage diente der BBR Sägezahn Prop aus Australien, wie er auch von einigen F5D Piloten im Wettbewerb geflogen wird. Nur konnte ich mich mit einigen Details des Props nicht anfreunden: 1) die 6mm Blattaufnahme war mir zu klein (unsicher!) und 2) der Prop war insgesamt zu weich für meinen Geschmack. Also habe ich das 8mm Auge des 13×27 Speed Propeller an das Sägezahn Blatt implantiert und eigene Formen erstellt. Dieser 12×25 Prop passt nun an alle gängigen 8mm Spinner. Eine Variante hat 12×25 an einem 30mm Spinner, meine zweite Version habe ich für einen 40mm Spinner leicht gekürzt. Meine ersten Prototypen Props waren um längen steiffer als das Original. Beeindruckt hat mich der Sound, der fast gar nicht zu hören ist. Wer Lärmprobleme hat sollte mal einen 12×25 Sägezahn testen. Show am Boden ist dabei garantiert…. :-)

Der Demon mit dem schwarzen Rumpf sollte die Grenzen des Machbaren ausloten. Setup: Scorpion 3026/880kv an 10s 1800er Lipo und ein YGE 150 HV FAI Steller. Eigens für dieses Setup haben wir (Danke Max und Domi!!!) einen passenden Propeller entworfen, der die 30000RPM in Vorschub umwandelt. Entstanden ist der OZ 6.4×11 Prop, der eine modifizierte Version des erfolgreichen EPS 7.1×11 Props darstellt. 7″ sind für kleine Speeder bei den Drehzahlen deutlich zu viel Schub (gilt auch für die APC 7×10). Sinnvoll lässt sich der 7.1×11 nicht auf 6.4″ kürzen, das sieht nichts aus. Der neue Prop macht einen guten Eindruck am Modell, und in den Ohren! Das Setup ist nichts für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag auf dem Platz. Schrei-Kreisch vom Feinsten. Leider hatte ich nicht viel Freude an dem Modell. Nach der obligatorischen Trimmrunde, und nur 20s Motorzeit, ging das Modell in der Luft in Flammen auf. Ziel waren 400Km/h, was die gerechneten 3,xKW Leistung auch ermöglicht hätten. Eine schwarze Rauchfahne zeigte, dass der Regler das Inferno ausgelöst hatte. Damit wäre die Frage geklärt, ob man Lufthutzen VOR oder NACH dem Erstflug anbringt! Jetzt nur keine Panik und einlanden. Da dies der Erstflug mit dem Modell war wollte ich nichts riskieren und baute langsam Fahrt ab. Eine weißliche Rauchfahne zeigte mir, dass jetzt auch die unter dem Regler befindlichen Lipos brannten. Nach kurzer Zeit erreichte der Brand die Empfängerstromversorgung und der Funkkontakt riss ab. Das Modell schlug ungesteuert aus ca. 50m in den harten Boden hinter dem rechten Pylon der Messanlage. Bis wir mit dem Feuerlöscher dort eintrafen qualmte es nur noch. Totalschaden, leider komplett ausgebrannt. Das Projekt 400Km/h mit dem Demon Speed werde ich später fortsetzen. Stay tuned…

Bad Wünnenberg 2015 war wieder ein geselliges Erlebnis. Am Samstag hatten wir Lagerfeuer mit Umtrunk. Ja, auch die Speeder haben eine romantische Seite. In der Nacht war es zapfig kalt. Als ich um 1:30Uhr die Segel getrichen habe hatte es Eis auf den Flächen meines Styro Feierabend Fliegers, den ich neben meinem Werkstatt Zelt noch auf dem Gras stehen hatte. Am Feuer war es mollig warm. Abschließend noch ein paar Impressionen und die obligatorische Link Liste zu externen Quellen. Wer Fragen hat meldet sich einfach bei mir. Oliver(.)Zanker(AT)Web(.)de. Danke.

Externe Links und Quellen:

# Powercroco.de – Bad Wünnenberg 2015

# RCN Thread – Bad Wünnenberg 2015

RC Fallschirmspringen in Walldorf

Am Anfang meiner Modellsport Karriere habe ich mir vorgenommen alle interessanten Modellflug Sparten zu besuchen. In meinem Heimatverein MFC Weiterstadt sind 2 aktive RC Modell Fallschirmspringer vertreten und so lag es nahe, auch mal einen solchen Wettbewerb zu besuchen. Durch Zufall habe ich auf der Intermodellbau in Dortmund den DMFV Referenten Udo Straub getroffen und wurde spontan eingeladen bei dem Bewerb in Walldorf mitzumachen. Udo wollte mir einen seiner Ersatzspringer mit Fernsteuerung ausleihen. Ich habe mich dann aber doch beim Team des Heimatvereins eingebucht und konnte dort einen Springer verwenden. Als Neuling ist man ja froh, wenn einem gezeigt wird, wie der Hase läuft.

Leider hat das super Wetter der letzten Wochen nicht bis zum Tage des Bewerbs angehalten. In Walldorf empfing mich wechselhaftes Wetter mit leichten Regenschauern und einem merklichen Wind. Nicht optimal, aber machbar. Es waren 49 Springer am Start und es konnten 3 volle Durchgänge gesprungen werden, bis eine Regenfront mir starkem Wind der Veranstaltung ein Ende setzte.

Fallschirm_Walldorf_04Die Sache ist doch schwieriger, als ich mir das gedacht hatte. Als Steuerfunktionen stehen nur Links, Rechts und Bremse zur Verfügung. Der Gleitwinkel bei voller Fahrt wird dann noch vom Wind beeinflusst. Der Zielpunkt hat 10m Durchmesser und ich konnte den in 3 Durchgängen nicht treffen! 2x war es sehr knapp und es gelang mir eine Landung in der erweiterten Landezone. Es war allerdings auch eine Außenlandung dabei. Wenn Sönke mich nicht gecoached hätte wäre es sicher viel schlimmer geworden. So konnte ich mein Ziel erreichen nicht letzter zu werden. Das ist mit Platz 38 von 49 Startern auch gelungen. Keine rote Laterne. Zum Glück ging mein Schirm beim freien Fall immer auf. Leider sah man auch mehrere Einschläge, wo der Schirm nicht öffnete, oder unkontrollierte Flüge, wo der Schirm nicht korrekt aufging. Das wird alles recht locker gesehen und gehört scheinbar dazu. Beim Fallschirmspringen gewinnt derjenige, der am wenigsten Punkte auf dem Konto hat. Pro cm Abstand vom Mittelpunkt wird ein Punkt auf das Konto gebucht. Außenlandungen etc. bekommen deutliche Strafpunkte. Am Ende des Beitrags poste ich Links zu weiterführenden Quellen und ein paar Videos.

Fallschirm_Walldorf_02RC Fallschirmspringen möchte ich jetzt als eine Randsparte des Modellsports bezeichnen, es ist keine Massenbewegung. Trotzdem sind 49 Teilnehmer bei nicht sehr optimalem Wetter dabei. Warum ist das so? Nun, RC Fallschirmspringen ist ein Familiensport. Hier gesellt sich doch eine beträchtliche Anzahl weiblicher Teilnehmer dazu, und die Menge an Jugendlichen ist auch beachtlich. Dieser Mix führt auch zu einem recht familiären Treffen und Umgang untereinander. Ich habe bei der Veranstaltung nicht einen Teilnehmer fluchen hören! :-) Die Steuerfunktionen sind recht simpel, so dass man auch einen Neueinsteiger mit Coaching an die Sache heranführen kann und nicht überfordert. Es ist spannend, ob sich der Schirm korrekt öffnet. Und es macht Spaß den kleinen Springer nach dem freien Fall sicher in das Zielfeld zu steuern. So hat die ganze Familie ihren Spaß: Papa fliegt die Schleppmaschine zum Absetzen der Springer und die Frau bzw. der Junior hat seinen Springer darunter und übt Zielanflüge.

Fazit: Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, trotz dem suboptimalen Wetter. Mir hat der Tag gut gefallen, auch wenn RC Fallschirmspringen sicher nicht meine Aktivitäten als Speedflieger ersetzen werden. Das gewisse etwas an Adrenalin und Action hat mir dann doch gefehlt. Sollte allerdings ein Treffen/Bewerb in der näheren Umgebung stattfinden kann ich mir einen Besuch durchaus vorstellen. Das Team des MFC Weiterstadt war noch recht erfolgreich: Sönke konnte den ersten Platz in der Jugendwertung erringen. Bald ist allerdings Schluss mit lustig, denn es „droht“ die Volljährigkeit.

Fallschirm_Walldorf_06Quellen und weiterführende Links:

Video: Deutsche Meisterschaft 2012 RC Fallschirmspringen

Video: Korrektes Legen eines Modellfallschirmes

Link: Bauanleitung eines RC Fallschirmspringers

Link: DMFV Referat RC Fallschirmspringen

Weltrekord #196 anerkannt

Der Weltrekord #196 ist nun offiziell durch die FAI anerkannt worden. Hiermit schließt sich die Akte „Weltrekord Versuche 2014“ und ein neues Kapitel beginnt. In diesem Post werde ich auch in Zukunft weitere Quellen, Links etc. anhängen um den Vorgang zu dokumentieren. Meinen WR werde ich dieses Jahr / 2015 nicht verteidigen! Die Jagd ist eröffnet… :-)

Weltrekord Oliver Zanker FAI #196

Quellen und Links:

FAI Rekordliste / ID 17298

Presse: 1 / 2 / 3 / 4

Powercroco.de – Chronologie der Ereignisse

Deutscher Rekord #196 anerkannt

Ein erster Schritt auf dem Weg zum Weltrekord #196 ist gegangen. Der DAeC hat den Rekordflug aus Ballenstedt als Deutschen Rekord anerkannt. Ein Weltrekord muss immer vom nationalen Verband (NAC) anerkannt werden, bevor ein Weltrekord daraus werden kann. Die Weltrekordakte liegt nun der FAI in der Schweiz vor. Jetzt ist Warten angesagt. Danke an alle Beteiligten, die mich bei der Bearbeitung der Rekordakte unterstützt haben.

Deutscher_Rekord_196_2014

Vakuum Absaugung und Techniken

Die Fragen kommen immer mal wieder vor: Wie geht das mit der Vakuum Absaugung? Was braucht man alles für Geräte? Welche Tipps und Kniffe gibt es?

Dieser Artikel soll meine Arbeitsweise erläutern. Ich behaupte jetzt nicht, dass meine Technik „DIE“ Lösung ist. Es existieren viele Wege nach Rom und ein jeder soll entscheiden, welche Techniken einen eigenen Versuch wert sind. Fangen wir an….

Die Vakuumpumpe – von High- bis Low Tech

Es gibt viele Modelle auf dem Markt. Was darf es denn sein? Beginnen wir mit den Vakuum Pumpen, die ich nicht für geeignet erachte. Da sind zum einen einfache Membran Pumpen, wie man sie z.B. für Aquarien verwendet, um Luft einzuleiten. Die Dinger sind zu schwach und die Membran hält den Dauerbelastungen im Vakuumbetrieb nicht stand. Für den Composite Bau streben wir ein möglichst hohes/starkes Vakuum an, das ist mit einem so einfachen Modell nicht zu erreichen. Variante 2: Ein alter Kühlschrank Kompressor. Der Unterdruck von einem solchen Kompressor ist ausreichend, keine Frage. Zwei Dinge sprechen in meinen Augen dagegen: a) Die Kompressoren sind nicht für Dauerbetrieb ausgelegt und b) die Kompressoren sind ölgeschmiert und es kann ein feiner Ölnebel in der Werkstatt freigesetzt werden. Ölnebel ist ein mega GAU, wenn man Lackieren möchte, das Zeug setzt sich überall fest. Es gibt industrielle Vakuumpumpen bei den bekannten Vertrieben und einige Quellen im Internet. Ich verwende eine Thomas Vakuumpumpe, die man durchaus günstig bei eBay erstehen kann. Diese Pumpen stammen meines Wissens nach aus dem Klinikbereich und sind dort u.a. in Beatmungsgeräten im Einsatz. Das zum Thema Dauerlaufen und lange Einschaltzeiten. Desweiteren sind diese Pumpen ölfreie- und trocken laufende Pumpen. Der Volumendurchsatz ist recht hoch, was für eine schnelle Absaugung der Luft im Vakuumsack sorgt. Anbei meine Pumpe. Vakuum_02

Druckluftschlauch besorgt man sich im Baumarkt, dabei aber bitte Gewebe verstärkten nehmen, der eine ausreichende Wandstärke besitzt. Gegen die Geräuschentwicklung dieser Pumpe gibt es 2 Maßnahmen: Gummi Unterlegmatten, wie sie für Waschmaschinen verwendet werden und ein geeigneter Schalldämpfer am Luftauslass. Ich selber verwende keinen Schalldämper (einfach zu faul!), weil ich kein Problem mit Lärm habe. Diese Pumpe flüsterleise zu bekomme ist aber kein Problem. Andreas hat mir den Tipp gegeben an den Auslass ebenfalls einen Schlauch anzuschließen (Durchmesser beachten!) und das Ende dann in einen Schuhkarton (mit Watte gefüllt) einzulegen. Fertig, mehr braucht es nicht für einen leisen Betrieb. Ach ja… Thema Druck. Meine Pumpe schafft -0,85bar max. Das langt in meinen Augen aus.

Der Vakuumsack – unzählige Varianten

Auch hier gibt es viele Varianten und Techniken. Der einfachste Sack ist ein großer Müllbeutel, der an 3 Seiten veschweißt ist. Es gibt da durchaus gut gefertige Modelle, die den Belastungen stand halten. Wie bekommt man die offene Seite dicht? Acryl aus dem Baumarkt ist eine Möglichkeit. Hinweis: Finger weg von Silikon, immer Acryl nehmen! Ich führe das hier nicht weiter aus, denn die Foren sind voll von Leidensgenossen, die Silikon verwendet haben. Dichtband ist eine weitere Variante. Nicht super billig, aber durchaus gut. Bei einer Pumpe mit hohem Volumendurchsatz kann man auch folgendes Versuchen: Das freie Ende wird über einen kleinen Stab aufgewickelt. Der Sack dichtet sich so selber ab, da die beiden Folien angesaugt werden. Dazu später mehr im Detail.

Die Müllsack Variante geht nur für kleine Bauteile, eine Flächenform wird man da nicht rein bekommen. Für dieses Szenario gibt es Folienschlauch als Meterware. Qualitative Unterschiede sind hier in der Stärke des Folienmaterials zu finden. Es gibt superdünn und etwas dicker. Alles kann je nach Anwendungsfall Vor- und Nachteile bringen. Unter 0,1mm sollte man nicht gehen, der Schlauch wird sonst zu empfindlich. Meine Foliensäcke sind ca. 0,2mm dick, passend abgelängt und das hintere Ende ist doppelt mit Acryl verschlossen.

Derzeit verwende ich für kleinere Bauteile wie Höhenleitwerke etc. fertig konfektionierte Vakuumbeutel, wie man Sie in jedem Betten- und Matrazenladen bekommen sollte. Gedacht sind die Dinger zum platzsparenden Verstauen von Kleidung, Kissen etc. Es gibt unterschiedliche Größen, die Materialstärke der Folie ist ausreichend und die offene Seite wird mit einem Zipper System verschlossen. Einfacher geht es nicht, kein gepampe mit Acryl, was ja bekanntlich unter Vakuum nicht aushärtet.

Vakuum_01Der Druckanschluss am Vakuumsack

Am Anfang habe ich den Vakuumschlauch immer an der offenen Seite rausgeführt und dann den Sack mit Acryl abgedichtet. Diese Sauerei hatte ich schon nach einigen Versuchen mehr als satt. Die Lösung: Vakuum Sauger!

Vakuum_03Meine Modelle habe ich bei eBay gefunden. Der Sauger ist Industrietechnik aus weichem Gummi. Verwendet wird diese Technik u.a. von Robotern, wenn Platten angehoben werden müssen. Wir heben nichts an, wir saugen ab. Wie macht man das richtig? Man muss dafür sorgen, dass die Luft aus allen Teilen des Vakuumsackes ungehindert bis zum Sauger strömen kann. Macht man das nicht läuft man Gefahr, dass der Arbeitsdruck nicht gleichmäßig über das Bauteil verteilt ist. Dazu kann man einen flauschigen Rest Teppich verwenden, oder wie in meinem Fall Absaugvlies. Normalerweise wird es verwendet, um überschüssiges Epoxy Harz aus dem Bauteil aufzunehmen. Das Balsabrettchen dient dazu, dass der Sauger eine gerade Auflagefläche ohne Falten hat. Im späteren Betrieb wird das Brettchen mit dem Absaugvlies eingeschlagen, der Sack luftdicht verschlossen und dann ein kleiner Schlitz mit dem Messer über dem Brettchen erzeugt. Auf den Schlitz setzt man den Sauger auf, er zieht sich selber fest. Meiner Meinung nach ist das die sauberste Methode. Es gibt viele andere Varianten der Druckanschlüsse, aber ich habe es gerne einfach und simpel.

Vakuum_06Auf dem obigen Bild sieht man mein „Demon Speed“ Höhenleitwerk in einem der fertigen Vakuumbeutel aus dem Bettenhaus. Den Druckanschluss für den Staubsauger verwenden wir natürlich nicht, der ist geschlossen. Das Balsa Brettchen kann man gut erkennen, wie es vom Absaugvlies umschlossen wird. Der Sauger ist bombenfest angesaugt. Eine zusätzliche Sicherung des Saugers bzw. des Schlauchs ist nicht nötig.

Vakuum_05Hier sieht man meine HLW Form im Detail. Über dem Bauteil befindet sich Abreißgewebe und dann 4 Lagen flauschiges Toilettenpapier. Überschüssiges Harz wird vom Toilettenpapier aufgesaugt. Meine HLW sind mittlerweile so trocken laminiert, dass da nichts mehr bis die oberste Lage gezogen wird. Bei einer Fläche bin ich immer noch vorsichtiger und arbeite mit reichlich Harzüberschuss.

Druckluft – Anschlüsse und Verteiler

Damit man auch mehrere Bauteile gleichzeitig absaugen kann verwende ich einen 4fach Druckluftverteiler mit angebautem Manometer. Da muss man etwas schauen und nachfragen, nicht alle Druckluftverteiler kommen mit Vakuum klar. Mein Modell sperrt bei Druckluft und Vakuum. Entsprechende Schnellverschlüsse habe ich an 2m Druckluftschlauch mit meinen Vakuumsaugern verbunden. So kann ich maximal 4 Bauteile in einem Arbeitsgang absaugen. Schnell, sauber, einfach. I like…

Vakuum_07Meine Pumpe liefert -0,85bar, wenn kein Schlauch angeschlossen ist. So hat man einen guten Überblick, ob der Vakuumsack 100% dicht ist. Der Sack aus dem Bettenhaus ist dicht, mehr kann die Pumpe nicht (Siehe Manometer oben). Bei meinen Folienschläuchen für Flächen komme ich stellenweise nicht über -0,75bar hinaus. Da scheinen irgendwo kleine undichte Stellen zu sein, oder die folgende Beschreibung der Abdichtung ist nicht 100%. Allerdings hatte ich die selben Säcke schon mit Acryl verschlossen, da war es auch nicht mehr.

Vakuum Methode für Folienschläuche bei Flächenformen – Made easy!

Meine Folienschläuche für Flächenformen sind am Ende dauerhaft mit Acryl und doppeltem Umschlag verschlossen. Bleibt noch die Seite, wo die Form reinkommt. Wie dichtet man diese Seite ab: Acryl? No way! Dichband? Habe ich nicht…

Meine Lösung besteht darin, dass ich die offene Seite deutlich mit Überstand bemessen habe und diese dann über einen 20mm Holzstab aufwickele (sehr stramm, min 4-5 Wicklungen!). Ich wickele bis zum Anfang des Balsa Brettchen, wo auch das Absaugvlies anfängt. Dann die Pumpe an, den Sauger aufgesetzt … fertig. Die Folie saugt sich selber dicht. Geht nicht einfacher! Geht doch? Schreib mir bitte eine eMail. :-) Danke.