Speedcup Siegendorf (AT) 2013

Der Speedcup in Siegendorf ist beendet, die Wunden werden ab jetzt geleckt. Dazu später mehr. Bei nahezu idealen Flugbedingungen trafen sich die Speedjünger beim MFC Siegendorf, um für die nahende Speed DM in Osnabrück an den Setups zu feilen. Christian und Team haben optimale Bedingungen geschaffen, um viele Flüge zu ermöglichen. Der Flugplatz ist dazu optimal: Weit entfernt von jeglicher Bebauung, so dass kaum Flugzeiten zu beachten sind, keine Bäume im Flugsektor, die Sonne ab 11Uhr im Rücken. Dank einer überschaubaren Teilnehmerzahl waren viele Flüge realisierbar. Eine sehr entspannte Veranstaltung. Danke an Christian und das Team vom MFC Siegendorf!

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Wo gehobelt wird, da fallen Späne!

Den Spruch kennt jeder, man hofft aber, dass es einen selber nicht trifft. Tja, diesmal war das Speederglück nicht jedem gegönnt. Die Speedflieger werden im Grenzbereich bewegt, was jegliche kleine Fehler zu einem Desaster werden lassen kann. Dabei hat man Glück im Unglück, oder eben nicht. Ich lasse zuerst ein paar Bilder sprechen…

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Christian testete in seinem Tomahawk T ein 14s Setup für die kommenden WR Versuche. Bei Flug No.1 hatte der Steller noch ein „Voltage Cut Off“ als Selbstverteidigung aktiviert. Dies wurde in Flug No.2 deaktiviert. Im Flug hat dann wahrscheinlich eine Zelle im Pack das Zeitliche gesegnet und angefangen zu brennen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Smoke on! Mit sichtbarer Rauchfahne hat Christian den Tomahawk routiniert gelandet und die Helfer standen schon mit Werkzeug parat, um zu retten, was zu retten war. Ich glaube Motor und Fläche waren noch brauchbar, der Rest ist Sondermüll. Übel riechender noch dazu.

Sascha hatte weniger Glück. Von seinem Scimitar blieb nichts mehr übrig, als der Speeder mit 400 Sachen senkrecht in das angrenzende Weizenfeld eingeschlug. Out of Control blieb nur die unangenehme Situation des Zuschauers. Nach kurzem Rauchzeichen starteten wir eine Bergungsaktion im Feld. Der Scimitar musste mit einem Spaten ausgegraben werden. Rest in Peace!

Ralph sein Speed Segler erwischte ein Luftloch im Landeanflug, was einigen Schaden verursachte. Jochen beklagte bei seinem ersten 6s Flug im 4/5tel Speeder einen Motorplatzer (Scorpion 3026). Ich selbst kam mit Glück im Unlück davon. Nach dem 5ten Flug am Freitag verabschiedete sich mein HLW Servo im Flux. Allerdings erst nach der erfolgreichen Landung! Passiert sowas im Flug nehme auch ich den Spaten und eine ausreichend große Tüte mit zur Bergung. So blieb mir nur das zweifelhafte Vergnügen den Flux aufzuschneiden und das Servo gewaltsam zu entfernen. Aber er lebt noch!

Thema Messanlage. Die Erkennungsraten waren diesmal optimal. Wer sauber fliegt bekommt immer eine Messung. Neu ist ein akustisches Signal, wenn eine Erkennung der Kameras vorliegt. Dies signalisiert dem Piloten sehr genau, wie optimal die Flugbahn getroffen wurde und lässt somit sofortige Korrekturen zu. Eine klare Verbesserung. Ich habe mir die Arbeit des Messanlagen Operators erklären lassen und konnte nach 2-3 Runs weitere Flüge alleine managen. Der Betrieb ist nach einer kurzen Eingewöhnung sehr einfach.

Eigener Anspruch versus Realität: Was man aus Logdaten lernen kann…

Mein Jahresziel ist endlich eine komplette Wertung über 400 Km/h zu erziehlen. Das dies kein Kindergarten ist war mir von Anfang an klar. Nicht jedoch, dass die Hürde auch mit nahezu optimalem Material so hoch liegt! Als Einleitung empfehle ich die Lektüre „Gedanken zum Antrieb“ von Ralph Okon, welche auf Powercroco.de zu finden ist. Die Ausgangslage ist wie folgt:

  • Modell: Fluxkompensator
  • Motor: Powercroco 4234 (Hammerantrieb!)
  • Akkus: 10s / neu und mit Dampf!
  • Steller: YGE 160HV
  • Propeller: 11×20 aus eigenen Formen
  • Fähigkeiten des Piloten: Na ja … wir schweigen lieber! :-)

Der Antrieb lief auf dem Prüfstand von Ralph mit einer 10.4×20 bei 18800 Touren und weit jenseits von 200A. Ich habe mir allerdings eine 9.4×20 auf den Flux geschraubt, weil ich dachte dies würde locker für 400 Sachen langen. Weit gefehlt! Im letzten Flug am Freitag, das war mein Erlebnis mit dem HLW Servo im Flux, hatte ich zum ersten mal einen Logger im Flug dabei. Sonst habe ich nur sporadisch Standmessungen durchgeführt, weil das Loggerzeug damals nicht in den Flux passte. Jetzt mit neuen Zellen und einer anderen Anordnung ergeben sich neue Möglichkeiten. Exemplarisch hier ein Auszug vom letzten Run des Fluges. Die Akkus waren somit nicht mehr frisch, hatten am Ende der Strecke aber immer noch 33,5V Lastspannung. Alles im grünen Bereich.

Unilog_PC4234_9.4x20Drehzahl ist hier ca. 19000 bei etwas über 150A Strom. Gibt man diese Werte in den Speed Rechner ein, so ergibt sich folgendes Bild:

Speedcalc80% Pitchspeed, was mit einem Flux durchaus im realistischen Bereich liegt, ist bei ca. 460Km/h. Wenn man sich aber meine Ergebnisse ansieht, dann kommt das in der Realität nicht an. 370, 380, 418Km/h waren meine Messungen. Keine 100% Wertungen wohlgemerkt, daran hapert es noch. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich die Strecke nicht treffe und wohl ein lausiger Speeder bin: Was ist da los? :-)

Lesson learnd…

Ich habe mir die Logs geschnappt und mich mit Ralph besprochen, da er unbedingt Ahnung von der Materie, und reichlich Erfahrung im Auswerten von Logdaten hat. Mysterium No.1: Der Strom vom Speed Rechner passt nicht zu den Logdaten aus dem Flug! Erklärung: Jede Luftschraube hat einen eigenen Exponenten, der sehr deutlich in die Rechnung einfließt. Für die 11×20 liegt dieser im Bereich 2.92 und nicht bei 3.0, was der Standard Einstellung im Speed Rechner entspricht. Und siehe da, auf einmal passen die Ströme bis auf ein paar Ampere genau. Der Exponent ändert sich sehr deutlich, wenn man zwar den 11×20 Prop verwendet, aber auf ein Mehrblatt Setup wechselt (3 Blatt oder 5 Blatt Setup z.B.).

Mysterium No.2: V-Pitch und erreichte Fluggeschwindigkeit weichen stark voneinander ab! Dies ist nicht ganz so einfach zu erklären, und ich hoffe die Sachlage richtig in Erinnerung zu haben. Drehzahl des Propellers und Schub sind unabdingbar miteinander verbunden. Dies wird natürlich noch vom Modell (aerodynamisch oder Typ Schrankwand?) und dem Fluggewicht beeinflusst. Wenn der Schub nicht zum Modell passt quirlt der Prop nur Luft und „greift“ nicht richtig. Genau das scheint in meinem Fall zu passieren. Die Drehzahl ist mit 19k mehr als ausreichend, nur der Schub scheint nicht zum Modell zu passen. Ralph meint, dass man das auch im Log sehen kann. Ich sehe da noch nicht viel, was aber hoffentlich an mangelnder Erfahrung liegt. Greift der Prop sollte man das an der Stromkurve deutlich sehen können, da der Strom deutlich fallen muss. Bei mir fällt der Strom aber nur in der ersten Phase von über 160A bis knapp unter 150A. Hätte ich den Höhenverlauf noch in das Log gepackt würde man sehen, dass der Flux hier senkrecht beschleunigt. Danach steigt der Strom wieder etwas über 150A und bleibt dann in ungefähr konstant. Dies ist die Phase, als der Flieger durch die Strecke geht (horizontaler Flug). Fazit: Der Schub passt nicht zum Modell, der 9.4×20 Prop kann dadurch nicht in den optimalen Bereich gelangen. Mögliche Lösung? Größeren Propeller verwenden! Wie groß muss der Propeller sein? Na…. genau richtig für die angestrebte Geschwindigkeit. Versuch macht klug. Dazu bin ich in Siegendorf leider nicht mehr gekommen, da das HLW Servo im Flux abgeraucht ist. Auf der kommenden Deutschen Meisterschaft in Osnabrück werde ich den Beweis dieser Thesen angehen. Stay tuned!

Lesson learned! Speedfliegen ohne Logger ist sinnbefreit, wenn man weiterkommen möchte. Ohne genug Daten hat man wenig reale Chancen, um sinnvolle Verbesserungen umzusetzen. Danke Ralph für deine Denkanstösse und deinen Erfahrungsschatz bei der Analyse von Logdaten!

Weitere Bilder auf der Webseite von Andreas: Siegendorf 2013

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